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Predigt Karfreitag 2018

Gudrun Schlösser

Predigttext Hebr 9,15.26-28

15 Jesus Christus ist er der Mittler eines neuen Bundes;
sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt,
damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.
26 Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein für alle Mal erschienen,
um durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben.
27Und wie es dem Menschen bestimmt ist,
ein einziges Mal zu sterben,
worauf dann das Gericht folgt,
28so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert,
um die Sünden vieler hinwegzunehmen;
beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen, sondern um die zu retten, die ihn erwarten.

Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Karfreitag – Jahr für Jahr muss ich diesen sperrigen Feiertag neu buchstabieren. Jahr für Jahr frage ich mich auf’s Neue: Warum? Warum hat Gott nicht einen anderen Weg gewählt? Selbst Jesus hatte ihn doch noch am Vorabend darum gebeten: Wenn es möglich ist, lass diesen Kelche, dieses Leiden an mir vorüber gehen!
Ich bin nicht allein mit dieser Frage. Immer mehr Zeitgenossen stellen diese Frage, können mit diesem sperrigen Karfreitag nichts anfangen. Immer lauter wird der Ruf danach, ihn als stillen Feiertag aufzugeben, ihn frei zu geben für das, was unsere Gesellschaft am liebsten macht – feiern, sich vergnügen, Spaß haben.
Und Sie? Was bedeutet Ihnen der Karfreitag? Was erwarten Sie heute hier? Was feiern Sie heute?
Ich nehme an, zumindest einige von Ihnen teilen meine Fragen. Wir befinden uns mit unserer Ratlosigkeit und unseren Fragen übrigens in guter Gesellschaft. Schon die Jünger standen ratlos unter dem Kreuz. „Ist der, den wir für den Retter hielten, am Ende kläglich gescheitert?“ Wie anders sollten sie diesen Tod deuten. Hatten sie noch bis zum Ende gehofft, dass ein Wunder geschieht, so sind sie jetzt aller Hoffnungen beraubt. Sie können diesem Kreuz nichts abgewinnen. Und obwohl sie ein paar Tage später erfahren durften, dass das Kreuz nicht das Ende ist, reichte es nicht aus, zu sagen: Er musste sterben, um den Tod zu besiegen. Von Anfang an lebten Christen mit der Frage: Warum der Tod am Kreuz? „Ihr seid verrückt, an einen Gott zu glauben, der wie ein Verbrecher stirbt. Der sich das alles von Menschen bieten lässt. Ein Gott lässt sich so was nicht bieten.“ „Ein Skandal. Wie könnt ihr so über Gott reden. Gotteslästerung.“ „Er ist gescheitert! Gebt es doch einfach zu.“ Paulus setzt sich damit auseinander, versucht zu erklären. Für euch mag das Kreuz ein Skandal sein, für andere eine große Dummheit, für uns ist es Zeichen von Gottes Liebe und Treue zu uns. Die Evangelisten setzten sich in ihren Berichten von der Kreuzigung damit auseinander. Da sind Jesu letzte Worte bei dem Einen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ und bei dem Anderen: „Es ist vollbracht!“
Und auch der Schreiber des Hebräerbriefes, aus dem unser heutiger Predigttext stammt, sucht nach Erklärungen.
Hören wir aus dem 9. Kapitel:
15 Jesus Christus ist er der Mittler eines neuen Bundes;
sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt,
damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.
26 Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein für alle Mal erschienen,
um durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben.
27 Und wie es dem Menschen bestimmt ist,
ein einziges Mal zu sterben,
worauf dann das Gericht folgt,
28 so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert,
um die Sünden vieler hinwegzunehmen;
beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen, sondern um die zu retten, die ihn erwarten.

Und? Alles klar?
Ich muss gestehen: Zu meiner Klarheit haben diese Worte nicht beigetragen. All diese großen Worte Erlösung, Übertretungen, ewiges Erbe, Sünde, Opfer, Gericht. Uns sind sie fremd. Nicht so den Adressaten des Briefes. Ihnen sind diese Worte geläufig. Der Schreiber bedient sich der Vorstellungen jüdischer Opferbräuche im Tempel. V.a. das Fest des großen Versöhnungstages ist ihm ein Vorbild. Einmal im Jahr feiert das Volk Versöhnung mit Gott. Gott bietet an, die zerstörte Gemeinschaft zwischen ihm und dem Volk wieder herzustellen und alle ihre Schuld von ihnen zu nehmen. Sichtbar muss das werden, damit sie es glauben können. Deshalb bringt der Hohepriester im Tempel ein junges Böckchen als Opfer dar und bittet um Vergebung – man sieht den Rauch aufsteigen, man riecht es – und dann schickt er ein zweites Tier mit den Sünden des Volkes beladen in die Wüste – ein Sündenbock.
Versöhnungstag – Jom Kippur – bis heute ein ganz besonderer Tag, der höchste Feiertag bei den Juden – auch wenn man natürlich keine Opfer mehr bringt und keine Böcke in die Wüste schickt.
Gott ist treu. Er hält an seinem Volk fest – all ihrer Untreue zum Trotz. Er steht zu seinem Versprechen und erneuert es von Jahr zu Jahr.
Und nun der Hebräerbrief: Jesus ist unser Hoherpriester. Aber er opfert nicht Tiere und schickt keinen Sündenbock in die Wüste. Er opfert sich selbst und nimmt die Sünden auf sich und trägt sie weg; hebt sie auf – und das nicht Jahr für Jahr, sondern einmal – ein für alle mal.

Sicher, diese Vorstellung ist uns fremd und bleibt uns fremd. Opferrituale empfinden wir als archaisch, blutrünstig, abstoßend. Aber sind uns Opfer wirklich so fremd? Kennt unsere Gesellschaft nicht Sündenböcke zur Genüge. Wo immer etwas Schlimmes passiert, muss ein Schuldiger gefunden werden. Und der wird dann in die Wüste geschickt – er muss zurück treten, wird seines Amtes enthoben – damit alle anderen gut und unbeschadet aus der Sache rauskommen und weiter machen können wie bisher. Ganz selbstverständlich sprechen wir von Verkehrsopfern. Wir sind bereit, sie für unsere Mobilität hinzunehmen. Und wie ist es mit all den Billiglohnarbeitern – in Fernost oder auch bei uns, bei Paketdiensten oder im Internethandel? Sie sorgen dafür, dass wir, die Endverbraucher, die Ware möglichst billig bekommen? Opfer auch meines Konsumverhaltens? Und was ist mit all den Kriegsopfern, Terroropfern, Opfern von Katastrophen? Menschen zu Opfern gemacht – ungefragt und ohne Chance, sich zu wehren.

Jesus hat sich der Opfer seiner Zeit angenommen. Er schlägt sich offen auf ihre Seite – und wird am Ende selbst ein Opfer der Mächtigen und ihrer Strategien. „Es ist besser es stirbt einer, als dass das ganze Volk verführt wird oder Unruhen entstehen!“ denken sich die Verantwortlichen – und beseitigen ihn. Am seinem Kreuz zeigt sich, zu was Menschen fähig sind. Deshalb ist es auch so anstößig und unbequem. Wer schaut schon gern in die menschlichen – und vielleicht auch die eigenen – Abgründe. Wer schaut schon gerne auf das Leiden? Lieber wenden wir den Blick ab auf Erfreulicheres. In Jesu Kreuz aber schauen sie uns alle die an, die zu Opfern geworden sind. Sie schreien uns ihr Leid und ihre Hoffnung auf Gerechtigkeit entgegen. Sein Kreuz wird zum Mahnmal für die Opfer und gegen das Opfern, denn seit Jesu Tod sollen Opfer nicht mehr sein – ein für allemal. Wir brauchen solche Mahnmale. Es gibt immer noch zu viele Opfer.

Jesus hat das Kreuz nicht gemieden. Er ist nicht ausgewichen – was die Jünger vielleicht bis zum Schluss gehofft hatten, dass er noch vom Kreuz herabsteigt und es allen zeigt. Zugetraut hätten sie es ihm. Aber er ist nicht ausgewichen, sondern hat ausgehalten bis zum bitteren Ende. Er ist an der Seite der Leidenden und Sterbenden geblieben.
Der Hebräerbrief sagt: Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche. Nein, er kennt das alles – er weiß, was Menschen erleiden. Er weiß, wie weh das tut. Er weiß, was Menschen einander antun können. Er kennt die Einsamkeit. Kein Leid ist ihm fremd. Und wo immer Menschen Leid tragen, wo immer wir Leid erfahren, ist und bleibt er an unserer Seite. Er hat sich an die Seite der Opfer gestellt. Er hält aus, bis zum Letzten. So ist sein Kreuz ist nicht nur Mahnmal, sondern auch Trost – Trost für alle Leidenden und Sterbenden. Trost für uns.

Wir alle kennen aber auch die anderen Opfer, freiwillige. Da opfert sich einer auf für eine Idee, für ein Ziel. Alles setzt er darein – Zeit, Geld, Energie. Manchmal raubt es ihm sogar den Schlaf, geht an die Grenzen seiner Kräfte. Aber er brennt dafür. Mit ganzem Herzen, mit Haut und Haar. Kinder und Ehepartner pflegen aufopferungsvoll kranken Angehörigen, manchmal über Jahre. Sie verzichten in dieser Zeit auf so manches – auf Urlaub und freie Zeit – um ihnen bis zum Ende nahe zu sein und ihnen die Krankheit zu erleichtern. Eltern sind bereit zu verzichten, um ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Andere setzen sich in ihrem Beruf ein, weit über die Arbeitszeit und Dienstanweisung hinaus, pflegen und begleiten Kranke, Sterbende, Benachteiligte – und schauen dabei nicht als erstes auf sich. Was treibt sie an diese Menschen – sicher ist es oftmals Pflicht, die Erwartung der anderen. Immer aber gehört die Liebe dazu. Es ist die Liebe, die uns dazu bringt, uns einzusetzen, nicht zu rechnen und zu zählen, nicht zu fragen: Wann ist denn endlich genug? Es ist die Liebe, die Leidenschaft, die uns dazu bringt, alles zu geben, uns selbst zu geben.
So ist es auch die Liebe, die Leidenschaft Gottes für uns, die ihn dazu bringt, seinen Sohn für uns herzugeben. Gott will uns nahe sein – um jeden Preis. Er will – wie am Versöhnungstag – die gestörte Beziehung zu uns wiederherstellen. Nichts soll mehr zwischen uns und ihm stehen – keine Sünde, keine Verletzung, keine Gleichgültigkeit, aber auch keine Angst, Verzweiflung oder Bedrohung. Deshalb kommt er uns ganz nah, wird selber Mensch. Alles, was uns trennt, was Menschen einander antun, erlebt und durchlebt er – ganz und gar, mit Haut und Haar – geht sogar so weit, dass er unseren Tod stirbt. Und so findet Jesu Opfer nicht erst am Kreuz statt. Es beginnt vielmehr schon an Weihnachten, da, wo er sich zu uns auf den Weg macht; da, wo er in diese dunkle Welt eintritt, um unser Leben zu teilen. Am Kreuz wird deutlich, wie ernst er das meint. Wir sollen und dürfen wissen: nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes – ja selbst der Tod nicht. Am Kreuz zeigt er uns, dass Gott alles gibt, ja sogar sich selbst gibt, um die Beziehung mit uns zu heilen und uns bis zur letzten Konsequenz nahe zu sein.
Der Hebräerbrief sagt: Es ist sein Opfer, um die Sünde aufzuheben, d.h. um die Trennung zwischen Gott und uns zu beseitigen. Paulus drückt es mit den großartigen Worten aus: „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

So ist das Kreuz nicht nur Mahnmal und Trost, sondern auch sein Geschenk der Liebe. Sperrig bleibt es trotzdem, das Kreuz. Und das muss vielleicht auch so sein. Wer könnte auch je wirklich verstehen, was dort am Kreuz geschehen ist. Wir können es nur immer wieder neu buchstabieren.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Regenbogen-Sonntag am 25.Juni

Diese neue Gottesdienst-Form ist seit längerem sehr beliebt in der Gemeinde: Besonders herzlich eingeladen sind Familien mit Kindern im Grundschulalter. Aber auch jeder, der einen ‚aktiveren‘ bzw. ‚interaktiveren‘ Gottesdienst schätzt, ist herzlich eingeladen: Am Sonntag, den 25.Juni feiern wir um 10 Uhr Regenbogen-Gottesdienst. Nach einer kurzen Liturgie geht es in verschiedenen Gruppen (je nach Alter) um die gleiche Bibelstelle – den Predigttext. Nach einem gemeinsamen Abschluss findet im Gemeindezentrum ein Mittagessen statt – bitte sagen Sie uns zur besseren Planung Bescheid, wieviele von Ihnen bleiben wollen. Ein kurzer Anruf im Gemeindebüro (02226/4760) genügt.

Predigt Himmelfahrt 2017

Pfarrer Dr. Diethard Römheld

1 Könige 8, 22–24 und 26–28
Es war bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem:
Da trat Salomo vor den Altar des Herrn.
Und die ganzen Gemeinde Israels schaute zu.
Salomo hob seine Hände zum Gebet zum Himmel und sprach:
„O Herr, Du Gott Israels!
Kein anderer Gott ist Dir gleich,
weder oben im Himmel noch unten auf Erden!
Denn du hältst fest am Bund mit deinen Knechten
und bleibst denen gnädig,
die sich in ihrem Leben auf dich verlassen.
Du hast wahr gemacht,
was Du Deinem Knecht, meinem Vater David, verheißen hast.
Ja, was Dein Wort angekündigt hat,
das hat Deine Hand heute vollendet.
(Gemeint ist die Vollendung des Tempelbaus!)

O Herr, Gott Israels,
lass jetzt auch jenes Wort wahr werden,
das Du auch zu Deinem Knecht, meinem Vater David, geredet hast.
(Gemeint ist das Versprechen Gottes, im Tempel wohnen zu wollen!)
Willst Du wirklich auf Erden wohnen?
Siehe, der Himmel, ja selbst der Himmel aller Himmel
kann Dich nicht aufnehmen!
Wie viel weniger dann dieser Tempel,
den ich gebaut habe!
(Doch egal, wo du wohnst:)
Wende Dich dem Gebet Deines Knechtes
und seinem Flehen zu!

O Herr, mein Gott, höre diese meine Bitte!“

Tja, spannende Sache: Es ist Himmelfahrt, der Tag, an dem wir uns daran erinnern, dass Jesus in den Himmel emporgehoben wurde. Und dann darf König Salomo mit seinen Zweifeln zu Wort kommen? „Gott ist größer als alle Himmel!“ Unsere Rede vom Himmel kann bestenfalls symbolisch gemeint sein, der gestirnte Himmel über uns ist nämlich nicht wirklich Gottes Aufenthaltsort! Wir ahnen es schon länger: Gott ist nicht der alte bärtige Herr, der sich da oben hinter den Wolken oder im Blau versteckt. Wie sprachen die russischen Kosmonauten: Wir waren oben, wir haben ihn nicht gesehen! Dass schon König Salomo rund 1000 Jahre vor Christus Gott nicht im Himmel suchen wollte, klingt mehr als modern. Doch die Frage des Salomo: „Gott, wenn nicht im Himmel, wo bist Du denn dann? Und hörst Du überhaupt mein Gebet?“, die ist nicht minder modern …
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Predigt zur Jahreslosung

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder.

Die Jahreslosung für das kommende Jahr steht beim Propheten Hesekiel im 36. Kapitel Vers 26:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.

Na prima! – ein neues Herz – eine kollektive Herztransplantation für diese unsere Gesellschaft.

Das ist es, was wir brauchen, damit unsere Gesellschaft menschlicher und wärmer wird, damit niemand vergessen und abgehängt wird.  Ein neues Herz für unsere Politiker und Wirtschaftsbosse, für alle Entscheidungsträger – kurz für die da oben, die abgehoben und hartherzig unsere Geschicke lenken.

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Predigt zum Reformationstag 2106

von Pfarrer Dr. Diethard Römheld

Ich lese ausgewählte Verse aus Römer 3. Es handelt sich um DIE zentrale Bibelstelle, auf der Luther seine Theologie der Rechtfertigung aufbaut. Die Übersetzung folgt der neuen Revision der Lutherübersetzung von 2017:

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes
die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart.
Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott,
die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus
zu allen, die glauben.
Denn es ist hier kein Unterschied:
Sie sind allesamt Sünder
und ermangeln des Ruhmes,
den sie vor Gott haben sollen,
und werden ohne Verdienst gerecht
aus Seiner Gnade
durch die Erlösung,
die durch Christus Jesus geschehen ist.
So halten wir nun dafür,
dass der Mensch gerecht wird
ohne des Gesetzes Werke,
allein durch den Glauben.

Tja, da haben wir den Salat: Auch hier in der Gnadenkirche gilt ohne Unterschied: Wir sind allesamt Sünder!
Aber Hand auf’s Herz: um DAS zu erfahren, seid Ihr nicht hergekommen, oder? Fühlt Ihr Euch als Sünder? Könnt Ihr so aus dem Stegreif aufzählen, wo Ihr gesündigt haben? Und ich meine nicht den Kühlschrank! Ist „Sünde“ nicht ein furchtbar altmodischer Begriff?
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Predigt vom 30. Oktober 2016

Die Predigt zum 23. Sonntag nach Trinitatis in der Gnadenkirche von Prädikantin Irmela Richter

Liebe Gemeinde,

mal ehrlich, haben Sie schon einmal versucht, mit Ihrem Gemüsehändler den Preis von 5 Kilo Kartoffeln auszuhandeln? Oder haben Sie vielleicht mit der Verkäuferin über den Preis eines Pullovers oder einer Hose diskutiert? Als vor gut 15 Jahren in Deutschland das Rabattgesetz weggefiel, war die Sorge vor einer Orientalisierung unserer Gesellschaft groß. Aber das Handeln um Preisnachlässe liegt den meisten von uns nicht, es würde in den meisten Geschäften auch nicht funktionieren. Die befürchtete Orientalisierung ist ausgeblieben.

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15. Sonntag nach Trinitatis – der Teufel

Die Predigt vom Sonntag, 04. Septeber 2016, in der Gnadenkirche von Pfarrer Dr. Diethard Römheld.


Ich lese ausgewählte Verse aus 1 Petrus 5 (8–10*):

Bewahrt einen klaren Kopf
und seid wachsam!
Denn Euer Feind, der Teufel,
streift wie ein brüllender Löwe umher.
Er sucht jemanden,
den er verschlingen kann.
Leistet ihm Widerstand
in unbeirrtem Glauben!
Gott hat euch in seiner großen Gnade
zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen.
Nur für eine kurze Zeit müsst ihr leiden.
Dann wird Gott euch wieder herstellen und stärken,
euch Kraft und Halt geben.

Das riecht heute nach ganz großem Kino: Da kommt der Teufel um die Ecke, gefräßig und aggressiv wie ein Löwe. Und WIR sollen seine Opfer sein. UNS will er als Beute! Der Teufel hält sich nicht irgendwo fern von uns in der Hölle auf, um da schon mal ein wenig einzuheizen für die, die es später verdient haben. Nein, der Teufel steht schon draußen vor der Kirchentür und wartet auf uns. Und es scheint ihm egal, ob wir es verdient haben oder nicht! Es geht um den Hunger des Löwen, nicht um Gerechtigkeit!
Das riecht heute nach ganz großem Kino: Da kommen wir selbst vor in der Heldenrolle, als tapfere Kämpfer. Wachsam müssen wir sein, sehr wachsam. Und permanent Widerstand leisten müssen wir, um nicht zur Beute zu werden. An Schlaf ist nicht zu denken, an verträumtes in den Tag leben auch nicht. Zu den Waffen, Geschwister, der Feind ist nahe! Leben im Glauben ist weder kuschelig noch tröstlich, sondern gefährlich und anstrengend. Schweiß und Tränen werden fließen.
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Predigt vom 21. August

Die Predigt vom Sonntag, 21. August 2016, in der Gnadenkirche von Pfarrerin Gudrun Schlößer.

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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Amen.

Predigttext 1. Johannes 4

Geliebte, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.

Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. Geliebte, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.

Liebe Schwestern und Brüder,

was würden Sie sagen, wenn ich Sie heute statt mit dieser Anrede mal mit „Geliebte“ ansprechen würde? Sicher wären sie etwas befremdet.
„Na ja“, würden Sie vielleicht sagen, „ist ja schön, wenn sie uns gern hat, aber übertreiben muss man ja auch nicht.“ Geliebte, das sagt man nicht einfach so. Das ist schon ein Wort für eine besondere Beziehung
und für besondere Gelegenheiten.

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Predigt zur Konfirmation 2016

Predigt zur Konfirmation 2016

1 Kor 14,1–3

Kirchenslang, den kein Schwein versteht, den kennt Ihr zu Genüge. So ein Pfaffe redet ja viel, wenn der Tag lang ist, und da ist manch seltsamer Kram dabei. „Himmelreich, Heiland, Messias, Sohn Gottes, Halleluja, Hosianna“ und was sonst noch alles. Ich bin auf dem Land groß geworden, und wenn wir unsere Lehrer ärgern wollten, gaben wir in solchen Situationen den Bauernbengel: „Hosianna, was ist denn das? Kann man das essen? Ist das ansteckend? Ist das was unanständiges?“ Mann, was waren wir aufgeschlossen für neue Bedeutungshorizonte! Und unseren Lehrern wuchsen graue Haare: Hatten sie es doch schon immer gewusst: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht! Auch Ihr habt euch manchmal sicherlich gefragt, wovon wir Kirchenleute gerade reden. Aber Ihr habt anders als wir damals höflicherweise nicht den Bauernbengel gegeben, auch wenn Eure Fragen nicht unähnlich waren: Warum soll man an etwas glauben, was man nicht sehen und anfassen kann? Warum soll man Vergebung für etwas suchen, was uns nicht weiter auf der Seele liegt? Und ist „Jesus liebt dich“ nicht eine furchtbar kirchliche Floskel, aber meilenweit vom täglichen Leben entfernt?

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Predigt Kantate 24.04.2016

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Kol 3,12-17:
12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;
13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
15 Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.
16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Liebe Brüder und Schwestern,

stellen Sie sich vor, wir als Gemeinde wären ein großer Chor. Das sollen wir doch sein, oder. Schließlich heißt unser Sonntag Kantate – Singt! Und im Predigttext steht es eindeutig: „Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen!“

Was würden wir als Gemeindechor wohl singen?
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