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Das Besondere: Die Osternacht

Von Karsamstag auf Ostersonntag gibt es die Gelegenheit, Ostern ganz besonders zu erleben. Am Karsamstag beginnt die besinnliche Nacht um 19 Uhr. Andachten, ein gemeinsames Abendessen und eine Nachtwanderung führen durch die Nacht: Zeit zum still werden, nachdenken über sich und den Leidensweg Christi. Um etwa 22:30 Uhr ist Abschlussandacht. Jugendliche können die Nacht über im Gemeindezentrum verbringen und dann um 06 Uhr am Ostermorgen-Gottesdienst teilnehmen. Anmeldungen und weitere Infos hat Pfarrerin Schlößer Tel.: Rhb – 5534.

Überblick Ostergottesdienste

Nicht mehr lange hin bis zum größten Fest für die Christen: Ostern. Am Gründonnerstag (13. April) findet abends um 19 Uhr in Gnadenkirche ein Gottesdienst mit Abendmahl statt. Karfreitag (14. April) ist dann um 10 Uhr Gottesdienst, ebenfalls mit Abendmahl. Von Karfreitag bis Ostersonntagmorgen bleiben die Glocken der Gnadenkirche stumm. Am Ostersonntagmorgen beginnt um 6 Uhr morgens der Osternachtsgottesdienst mit Taufen und Abendmahl – anschließend gibt es ein gemeinsames Osterfrühstück (bitte melden Sie sich dafür im Gemeindebüro an). Um 10 Uhr ist am Ostersonntag ein weiterer Gottesdienst mit Abendmahl. Ostermontag findet dann um 10 Uhr ein Familiengottesdienst statt. Auch dabei wird Abendmahl gefeiert – mit Traubensaft.

Der April bei uns

Der April steht ganz im Zeichen der Karwoche und dem Osterfest. Den Anfang macht ein Gottesdienst vom KU-Team am 2.4. Eine Woche später ist Palmsonntag und es beginnt die Karwoche. Auch dieses Jahr wird es eine Osternacht geben: Von Karsamstag auf Ostersonntag kann jeder diese besondere Nacht und die Ostergeschichte auf eine neue und intensive Art erleben. Nach Ostern macht sich dann wieder das Luther-/Reformationsjubiläum bemerkbar: Am 30.4. gestalten die Kantorei für ältere Stimmen und der Bläserchor unserer Gemeinde die ‚Musik in der Gnadenkirche‘.

Predigt: Osternacht / Ostern (2015)

Osternacht/Ostern 5.4.15

Christi Auferstehung ist auch unsere Auferstehung

19Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden

I. Korinther 15, 19-22

Liebe Schwestern und Brüder!

Für uns Christen ist heute der wichtigste Festtag im ganzen Kirchenjahr, und dieser Gottesdienst ist DER zentrale Gottesdienst überhaupt. Wir feiern das Osterfest. Wir wollen uns miteinander freuen und laut darüber jubeln, dass Jesus Christus, der nach blutigem Kreuzweg am Hinrichtungsort Golgatha vor den Toren Jerusalems gehenkt wurde, nicht im Grabe geblieben ist. Er ist am dritten Tage, am Ostermorgen auferstanden von den Toten, so wie wir es Sonntag für Sonntag im Glaubensbekenntnis bekennen.

Unser Predigttext ist daher direkt an uns gerichtet. Denn der Apostel Paulus spricht in seinem Brief, der etwa zwölf Jahre nach den Ereignissen in Jerusalem geschrieben wurde, die Gemeinde in Korinth als eine Gemeinde an, in der das Bekenntnis der Auferstehung Jesu Christi fraglos Gültigkeit hat.

„Er ist auferstanden von den Toten“ das war für die Christen in der Hafenstadt Korinth und das ist auch für uns Christen hier in Rheinbach das Fundament unseres Glaubens und Christseins, als Einzelne wie als Gemeinde. Und damit ist auch das Kernstück des Evangeliums, das Zentrum der Botschaft des neuen Testamentes, der Osterglaube nämlich, auch bei uns vorhanden.

Doch, es mag uns überraschen, das ist dem Apostel Paulus nicht genug! Er hakt noch einmal nach, ja, er spürt einen kritischen Punkt auf im scheinbar so intakten Osterglauben der Gemeinde. „Was wäre denn“, so fragt er, was
wäre, wenn damit alles gesagt wäre, dass Christus damals auferstanden ist?“ Es würde bedeuten, so macht Paulus klar, dass die Auferstehung ein Ereignis der Vergangenheit wäre; Ostern wäre der – sicherlich glanzvolle – Abschluss der Geschichte des Jesus von Nazareth, irgendwann vor 2000 Jahren, mehr nicht.

Immerhin würde das doch bedeuten, dass wir an dem auferstandenen Jesus ein großes Vorbild hätten, ein Vorbild der Güte und Menschenfreundlichkeit, der Fürsorge für andere und Hoffnung für sich selbst. Wir hätten in ihm jemanden, zu dem wir aufschauen könnten, dem wir nacheifern und von dem wir uns Ideen ausborgen könnten. Wir könnten von ihm lernen, dass man auf dem Weg der Nächstenliebe nicht immer nur der Dumme oder Unterlegene ist. Wir könnten begeistert im Sinne Jesu handeln, die Sache Jesu weitertreiben, solidarisch für die Schwachen und Ausgestoßenen eintreten; ja, wir könnten im Gedenken an die Auferstehung Jesu für mehr Lebensqualität in dieser Welt eintreten, wir brauchten uns nicht abzufinden mit dem, was ist und nicht alles beim Alten zu belassen.

Liebe Schwestern und Brüder! Ist das als Botschaft von Ostern nicht genug? Der Apostel Paulus sagt klipp und klar: Nein, das ist nicht nur nicht genug, sondern da fehlt das Entscheidende! Wenn wir die Auferstehung Jesu Christi nur so glauben, dass sie uns Hoffnung und Ansporn für dieses Leben gibt, dann, so sagt er, sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Die elendesten unter allen Menschen, weil wir einer Illusion aufgesessen wären, weil wir uns mit einem Glauben getröstet hätten, der zu wenig wäre, um hoffnungsvoll zu leben und in Zuversicht darauf auch sterben zu können.

Denn wenn die Auferstehung Jesu Christi nur ein Ereignis der Vergangenheit wäre, das uns lediglich Impulse zur Gestaltung der Welt und unseres Lebens gäbe, dann hätte ja nach wie vor der Tod das letzte Wort über uns. Dann wäre mit dem Tod für uns alles aus, dann würde auch unser Tun und Planen und Gestalten seinen Sinn verlieren und unweigerlich im Schlund der Vergänglichkeit versinken.

Ein solches Ostern, das nur die Auferstehung Jesu Christi feierte, wäre also keine Antwort auf die Finsternisse und Nöte, Ängste und Hoffnungslosigkeiten dieser Welt und unseres Lebens. „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ Das, liebe Schwestern und Brüder, ist also das Entscheidende an der christlichen Osterbotschaft: Nicht, dass Christus auferstanden ist, nicht dass der Tod IHN nicht halten konnte,
sondern dass dieses Geschehen etwas mit UNS zu tun hat, dass in der Auferstehung Jesu Christi etwas passiert ist, was uns und unser Leben betrifft, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Jesu Auferstehung und unserer Zukunft.

„Christus ist auferstanden als Erstling unter denen, die entschlafen sind“, sagt Paulus, und das heißt: Die Auferstehung Jesu ist eben nicht ein in sich abgeschlossenes Ereignis der Vergangenheit, nicht das Ende einer Geschichte, sondern der Anfang! Da kommt noch etwas nach, dem Ersten, der nicht im Tode blieb, werden Zweite und Dritte und unendlich viele weitere folgen. Das ist das Entscheidende an der Osterbotschaft des Evangeliums.

So, wie mit der Erstlingsfrucht, also dem ersten Apfel, der an einem Baum reif wird, der ersten Erdbeere eines Erdbeerfeldes, der ersten Zuckerrübe oder Maispflanze bereits die ganze nun kommende Ernte angezeigt ist, so ist in Christi Auferstehung, in seiner Auferweckung durch Gott etwas offenbar geworden von dem, was Gott mit der ganzen Menschheit vorhat: Nämlich Gottes neue Schöpfung hat da begonnen.

„Christus ist auferstanden als Erstling unter denen die entschlafen sind“ heißt also: An Ostern hat Gott damit den Anfang gemacht, seine Verheißung einzulösen, dass er seine Schöpfung, seine Menschen, seiner Hände Werk nicht für alle Zeit in die Gottesferne abdriften lässt, dass er seine Menschheit nicht der Herrschaft der Vergänglichkeit und des Todes überlassen wird. Der Tod ist aus dieser Perspektive nur noch ein Schlaf. „Der Erstling unter denen die entschlafen sind.“

Ostern ist so der Beginn einer ganz neuen Geschichte Gottes mit uns Menschen, der Anfang eines neuen Bundes, von dem das Neue Testament erzählt – und Testament heißt ja nichts anderes als Bund. Eine neue Zukunft hat da begonnen, die die ganze Welt und auch unser aller Leben umgreift und zugleich weit darüber hinausgeht. In der Auferstehung Jesu Christi am Ostermorgen, in jenem Anfang, den der Apostel Paulus mit der „Erstlingsfrucht“ vergleicht, ist unsere ganze Zukunft bereits mit eingeschlossen. In Christi Auferstehung ist auch der Anfang unserer Auferstehung, unseres Nicht-im-Tode-Bleibens geschehen.

Das, liebe Schwestern und Brüder, ist der eigentliche Grund, warum wir Ostern feiern: Weil uns durch Jesus Christus ein Weg eröffnet ist, der nicht mehr am Lebensende in eine Sackgasse führt, der nicht in Dunkel und Tod, sondern im Licht und ewigen Leben bei Gott endet. Ostern bedeutet nicht nur Auferstehung und Leben für Jesus Christus, sondern auch für uns. Das ist die Osterbotschaft des Apostels Paulus für die Gemeinde in der Hafenstadt Korinth und für uns hier in Rheinbach.

Doch wo wird das greifbar für uns, die wir doch nach wie vor in einer Welt leben, die von Finsternissen, Kriegen, Machtstreben und auch von der Macht der Vergänglichkeit und des Todes beherrscht wird? Wo können wir uns vergewissern, dass wir nicht mehr die elendesten unter allen Menschen sein müssen, weil wir mitgemeint sind bei der Verheißung der Auferstehung?

Paulus sagt, dass alle, die in Christus sind, lebendig gemacht werden. „In Christus sein“ aber bedeutet, unter seiner Herrschaft stehen, ihm gehören, sich ihm unterstellen. Und das geschieht, ganz greifbar und konkret in den Sakramenten von Taufe und Abendmahl. In der Taufe werden wir Christi Eigentum, werden wir zu einem Glied am Leibe Christi, also untrennbar mit ihm verbunden, und zugleich dadurch aufgerufen, ihm nachzufolgen auf den Wegen des Friedens, der Barmherzigkeit und des Lebens.

Und im Abendmahl dürfen wir uns in dieser Zusage aus der Taufe immer wieder stärken und vergewissern lassen, dass wir „in Christus sind“, dass er uns seine Gemeinschaft schenkt und uns vergibt, wenn wir wieder einmal vom Wege abgekommen sind. Wer aber Gemeinschaft hat mit dem auferstanden Christus, der hat damit auch Anteil an der Verheißung der Auferstehung und des ewigen Lebens. Vorgeschmack auf das Himmelreich nennt der Apostel Paulus das Abendmahl daher an anderer Stelle.

Wenn wir daher am Ostermorgen uns ausdrücklich an unser Getauftsein erinnern und (auch Kinder taufen) miteinander in Jesu Namen das Abendmahl feiern, dann ist das nicht etwas, was wir in diesem Gottesdienst auch tun, sondern dann ist das unsere eigentliche Osterfeier, in der uns zugesagt wird:

In der Auferstehung Jesu Christi bist auch du mitgemeint, auch deine Zukunft über den Tod hinaus hat an Ostern begonnen, Gottes neue Schöpfung betrifft auch dich, du bist schon ein Teil von ihr geworden. Ostern feiern heißt, dass jede und jeder von uns als für ihn gültig annehmen und nachsprechen darf, was der Apostel Paulus vor 2000 Jahren der Gemeinde in Korinth einprägte: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“

Darum also haben wir allen Grund, fröhlich Ostern zu feiern: Wir alle werden einmal in der Nachfolge Christi zu Gottes großer Ernte des Lebens dazugehören! Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gnade! Amen.

Pfr. Dr. Eberhard Kenntner