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15. Sonntag nach Trinitatis – der Teufel

Die Predigt vom Sonntag, 04. Septeber 2016, in der Gnadenkirche von Pfarrer Dr. Diethard Römheld.


Ich lese ausgewählte Verse aus 1 Petrus 5 (8–10*):

Bewahrt einen klaren Kopf
und seid wachsam!
Denn Euer Feind, der Teufel,
streift wie ein brüllender Löwe umher.
Er sucht jemanden,
den er verschlingen kann.
Leistet ihm Widerstand
in unbeirrtem Glauben!
Gott hat euch in seiner großen Gnade
zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen.
Nur für eine kurze Zeit müsst ihr leiden.
Dann wird Gott euch wieder herstellen und stärken,
euch Kraft und Halt geben.

Das riecht heute nach ganz großem Kino: Da kommt der Teufel um die Ecke, gefräßig und aggressiv wie ein Löwe. Und WIR sollen seine Opfer sein. UNS will er als Beute! Der Teufel hält sich nicht irgendwo fern von uns in der Hölle auf, um da schon mal ein wenig einzuheizen für die, die es später verdient haben. Nein, der Teufel steht schon draußen vor der Kirchentür und wartet auf uns. Und es scheint ihm egal, ob wir es verdient haben oder nicht! Es geht um den Hunger des Löwen, nicht um Gerechtigkeit!
Das riecht heute nach ganz großem Kino: Da kommen wir selbst vor in der Heldenrolle, als tapfere Kämpfer. Wachsam müssen wir sein, sehr wachsam. Und permanent Widerstand leisten müssen wir, um nicht zur Beute zu werden. An Schlaf ist nicht zu denken, an verträumtes in den Tag leben auch nicht. Zu den Waffen, Geschwister, der Feind ist nahe! Leben im Glauben ist weder kuschelig noch tröstlich, sondern gefährlich und anstrengend. Schweiß und Tränen werden fließen.
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Predigt zur Konfirmation 2016

Predigt zur Konfirmation 2016

1 Kor 14,1–3

Kirchenslang, den kein Schwein versteht, den kennt Ihr zu Genüge. So ein Pfaffe redet ja viel, wenn der Tag lang ist, und da ist manch seltsamer Kram dabei. „Himmelreich, Heiland, Messias, Sohn Gottes, Halleluja, Hosianna“ und was sonst noch alles. Ich bin auf dem Land groß geworden, und wenn wir unsere Lehrer ärgern wollten, gaben wir in solchen Situationen den Bauernbengel: „Hosianna, was ist denn das? Kann man das essen? Ist das ansteckend? Ist das was unanständiges?“ Mann, was waren wir aufgeschlossen für neue Bedeutungshorizonte! Und unseren Lehrern wuchsen graue Haare: Hatten sie es doch schon immer gewusst: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht! Auch Ihr habt euch manchmal sicherlich gefragt, wovon wir Kirchenleute gerade reden. Aber Ihr habt anders als wir damals höflicherweise nicht den Bauernbengel gegeben, auch wenn Eure Fragen nicht unähnlich waren: Warum soll man an etwas glauben, was man nicht sehen und anfassen kann? Warum soll man Vergebung für etwas suchen, was uns nicht weiter auf der Seele liegt? Und ist „Jesus liebt dich“ nicht eine furchtbar kirchliche Floskel, aber meilenweit vom täglichen Leben entfernt?

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Predigt Lukas 18, 9–14a

11. nach Trinitatis, 16.08.2015

Pfarrer Dr. Diethard Römheld

Luk 18,9–14a (!)
Einige der Leute waren davon überzeugt,
dass sie selbst nach Gottes Willen lebten.
Für die anderen hatten sie nur Verachtung übrig.
Ihnen erzählte Jesus dieses Gleichnis:
Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel,
um zu beten.
Der eine war ein Pharisäer
und der andere ein Zolleinnehmer.
Der Pharisäer stellte sich hin
und betete leise für sich:
„Gott, ich danke dir,
dass ich nicht so bin
wie die anderen Menschen –
kein Räuber, Betrüger, Ehebrecher
oder Zolleinnehmer wie dieser hier.
Ich faste an zwei Tagen in der Woche
und gebe sogar den zehnten Teil
von allem, was ich einnehme.“
Der Zolleinnehmer aber stand weit abseits.
Er traute sich nicht einmal,
zum Himmel aufzublicken.
Er schlug sich auf die Brust
und sprach:
„Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Das sage ich euch:
Dieser ging befreit nach Hause zurück,
jener nicht!

Ach ja, die Geschichte vom Pharisäer und von Zöllner: wir kennen sie alle. Und sie bestätigt all unseren Erwartungen – was sonst soll man von so einem sprichwörtlichen Pharisäer halten? Nun gut, dass Zöllner eigentlich korrupte, üble Burschen waren, damals, das ist bekannt, aber bei genauerem Hinsehen entpuppen die sich doch immer wieder als nette Kerle. Am Ende ist die Welt also wieder in Ordnung! Was soll ich Ihnen dazu heute noch viel Neues erzählen?
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