Archiv der Kategorie: Predigt

Predigt: Palmsonntag (2015)

Gnadenkirche Rheinbach / Versöhnungskapelle Merzbach
Palmsonntag 30.3.2015

Johannes 17 – Gott auf den Kreuzwegen mit uns

1So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; 2denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. 5Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
Johannes 17, 1-5

Liebe Schwestern und Brüder,

das Evangelium vom Palmsonntag vom Einzug Jesu in Jerusalem mochte ich als Kind ganz besonders gern. Erinnerte es mich doch an den Beginn der Adventszeit, die ja auch mit dem Einzug Jesu in Jerusalem beginnt. In den Menschen, die mit Palmwedeln die Straßen schmückten und Jesus einen jubelnden Empfang bereiteten, konnte ich mich selbst mit allen meinen kindlichen Wünschen und Hoffnungen für das Christfest wiederfinden. Am ersten Advent war für mich schon die ganze Vorfreude auf den Heiligen Abend mit eingeschlossen, obwohl ja noch vier Wochen Warten angesagt war. Doch durch den jubelnden Einzug Jesu in Jerusalem hatten die langen Adventswochen schon ein helles Vorzeichen, trotz aller noch drohenden Bußpredigten Johannes des Täufers.

Und das gleiche Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag schlug für mich wiederum eine Brücke, diesmal über die düstere Karwoche hinweg zum Licht des Ostermorgens. Als Pfarrerskind war für mich der Besuch der täglichen Passionsandachten Pflicht. Die grausamen Einzelheiten des Kreuzweges Jesu, der Verrat und die Verleugnung durch die eigenen Jünger, die grenzenlose Einsamkeit beim Ringen mit seinem Geschick im Garten Gethsemane und später zwischen den mitverurteilten Verbrechern am Kreuz – all das war für mich nur erträglich, weil der Einzug Jesu und die grünen Palmzweige Freude, Leben, und einen guten Ausgang des Ganzen ankündigten. Palmsonntag und Ostern – diese beiden Sonntage waren für mich wichtig, die Tage dazwischen, so meinte ich damals, hätten ruhig entfallen können.

Erst sehr viel später, eigentlich erst im Studium ging mir auf, dass ich sowohl im Blick auf den Ernst der Adventszeit als auch im Blick auf das gesamte Evangelium von Jesus Christus dabei war, den Kern der frohen Botschaft zu verlieren, wenn ich die dunklen Tage der Karwoche ausklammerte. Von diesem Kern des Evangeliums spricht unser heutiger Predigttext aus dem Johannesevangelium und will uns helfen, den Sinn der Karwoche neu zu verstehen.

„Vater die Stunde ist da.“ In nüchterner Klarheit scheint Jesus in den Abschiedsreden des Johannesevangeliums einen Schlussstrich zu ziehen unter die Zeit seines irdischen Wirkens, also unter sein Predigen, Heilen, Befreien von Schuld vor Menschen und vor Gott. Alle wunderbaren Trostgeschichten, die Jesus als Herrn über die Naturgewalten, über Hunger und Krankheiten, ja sogar über den Tod offenbarten, sie zeigten Jesus als menschgewordenen Gottessohn, in dessen Wirken göttliche Macht und göttliche Kraft auf Erden sichtbar wurden. Jesus selbst fasst all dies so zusammen: Vater, ich habe dich verherrlicht auf Erden.

Und so erlebten es damals die Menschen ja auch. In der Stillung des Seesturms, der Speisung der 5000, der Heilung des Blindgeborenen, der Auferweckung des Lazarus, in all dem verherrlichte Jesus Gott auf Erden. Gottes Macht, Gottes Herrlichkeit war da am Werke.

Herrlichkeit, griechisch DOXA darunter stellte man sich den Abglanz überirdischen Lichtes vor, den wir sterblichen Menschen nur in Ansätzen erfassen können. Sprengt die Herrlichkeit Gottes doch alle Dimensionen, die unser kleiner Verstand fassen kann. In den Heilungswundern, in Jesu vollmächtiger Predigt, da erscheint eine Andeutung dessen, was Herrlichkeit ist. Das, was Johannes hier erzählt, hat man in der Kunstgeschichte versucht, mit dem Heiligenschein darzustellen. Da ist ein Mensch, aber da ist auch unfassbar mehr. DOXA eben, Herrlichkeit Gottes.

Alles das hatten Jesu Jünger in den Wanderjahren mit ihrem Meister vielfach erleben dürfen. Gottes Herrlichkeit auf Erden. Der Glanz der Engel auf dem Hirtenfeld in Bethlehem hatte den Anfang gemacht. Doch nun sagt Jesus selbst überdeutlich: „Vater die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche.“

Das hört sich sehr klar nach Ende an, nach Abbruch einer so wichtigen Zeit. „Vater die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn.“ Der Glanz des Überirdischen, der helle Schein des ewigen Lebens wird mit Jesus zurück in den Himmel gehen, die Erde bleibt zurück im Dunkel der Vergänglichkeit und gefangen in der Nacht des Todes. Vater, verherrliche deinen Sohn. Da der Himmel, hier die Erde, da Freude, Erlösung und Leben in Fülle, hier Not und Schuld und Leben am Rande des Erträglichen.

Scheinbar kein Palmsonntagstext, der Mut und Zuversicht verbreiten kann. Doch nur scheinbar. Denn Jesus hat ja gar nicht vor, den Weg, der auf dem Hirtenfeld in Bethlehem begann, abzubrechen und zu verlassen. Jesus hat nicht vor, vor dem Dunkel der Passion, vor dem Leiden und Sterben zu fliehen und sich schnell in himmlische Sicherheit zu bringen.

Mehr noch: Jesus weiß, was auf ihn zukommt: Verrat durch die eigenen Jünger, Folter, grausame Hinrichtung durch den Tod am Kreuz. Und im vollen Wissen um dies alles bittet er: „Vater, verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche; denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.“

Wenn diese Bitte Jesu um Verherrlichung kein Wunsch nach Flucht vor dem Leiden ist, dann enthält sie eine atemberaubende Botschaft, die alle unsere Maßstäbe vollkommen auf den Kopf stellt. Denn wer am Beginn des Kreuzweges bittet: „Vater verherrliche mich“ und dabei bewusst bereit ist, diesen Kreuzweg auch zu gehen, der hebt damit die bisherige Trennung zwischen Leiden und Herrlichkeit, zwischen Irdischem und Himmlischem auf. Wenn der Kreuzweg Teil des Weges Jesu zur Verherrlichung ist, dann ist doch der tröstliche Schein göttlichen Lichtes gerade da, wo die Not am größten, die Einsamkeit am grausamsten, die Schmerzen am unerträglichsten und der Tod absolut unausweichlich ist.

„Vater verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Der Weg Jesu ans Kreuz ist also nicht der Weg dorthin, wo Gott am fernsten ist, sondern auch, nein gerade auf dem Kreuzweg ist Gott so nahe wie er uns einmal sein wird, wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen.

Die Stationen dieses Kreuzweges zwischen Palmsonntag und Ostermorgen sind also nicht etwas, was wir gut auch streichen können, um schneller ins Licht der Auferstehung zu kommen – nein, mitten im Leiden, auch auf dem Weg zum Kreuz umfängt uns die Herrlichkeit Gottes. Wohl in verborgener Gestalt und so, dass wir sie weder beweisen noch oft auch nur erahnen können. Doch sie ist da, so gewiss Jesus Christus den Kreuzweg ging als Weg seiner Verherrlichung. Ein Weg, der uns den Zugang zu ewigem Leben ermöglicht.

Das ist eine Botschaft, die all unser Begreifen übersteigt und die dennoch wahr ist. In dir ist Freude in allem Leide so versuchen wir gleich im Lied nach der Predigt diese Botschaft nach zu buchstabieren. Eine Botschaft, die es auszubreiten gilt in die dunkelsten Winkel der Herzen und der Häuser unserer Zeit.

Diese Botschaft heißt: Es gibt keinen Bereich unseres Lebens und unserer Welt und unserer Zeit, der außerhalb der DOXA, der göttlichen Herrlichkeit, außerhalb des göttlichen Machtbereichs liegt. Seit Jesus nicht nur in Gottes Namen, sondern als wahrer Mensch und wahrer Gott für uns den Weg ans Kreuz ging, gibt es keinen Kreuzweg, der nicht auch von der Herrlichkeit Gottes umschlossen wäre. Diese Zusage unseres Glaubens war es, die vielen Märtyrern der Kirche die Kraft gab, in Verfolgung nicht den Glauben zu verlieren. Diese Zusage unseres Glaubens war es, die dem Prediger von Buchenwald, auch einem Dietrich Bonhoeffer oder einer Edith Stein die Kraft gab, die nötig war, um in KZ-Haft den Glauben nicht zu verlieren.

Und diese Zusage unseres Glaubens ist es, die wir gerade heute am Palmsonntag 2015 mitnehmen dürfen hinein in die Zeit der Kreuzwege, die vor uns liegen mögen. Und dies gilt im wörtlichen wie übertragenen Sinne: Wer die nächste Bestrahlung vor sich hat, wer gerade einen lieben Menschen verloren hat oder wo ein solcher Verlust bevorsteht, wo die Diagnose unheilbar lautet und die Ärzte keinerlei Zuversicht mehr verbreiten, wo sich die Kinder seit langem nicht mehr gemeldet haben, wo die Pflege des Partners die eigenen Kräfte überfordert, wo beruflich gar nichts mehr zu gehen scheint … überall da ist Jesus Christus, der menschgewordene Gott auch.

Er gibt uns und diese Welt, auf der so viel Schlimmes geschieht, nicht dem Verderben preis. Seine Bitte am Beginn des Kreuzweges: „Vater verherrliche du mich“ macht das deutlich. Er ist kein Schönwettergott, der sich in den Himmel verzieht, wenn es auf Erden ungemütlich wird. Er ist da, wo es am finstersten ist, wo wir ihn darum auch am dringendsten brauchen. Eine tröstliche Zusage, ein Licht in der Finsternis.

Liebe Schwestern und Brüder, wer wie ich als Kind versucht, vom Palmsonntag zum Ostermorgen zu fliegen und die Karwoche mit Gründonnerstag und Karfreitag auszuklammern, dem bleibt dieser Trost des Evangeliums verschlossen. So wie der 23. Psalm nichtssagend wird, wenn man die Verse über das Wandern im finsteren Tag ausklammert, so auch hier. Wirkliche Osterfreude kann nur der erleben und empfinden, der dem Dunkel des Kreuzweges nicht ausgewichen ist. So schenke uns Gott eine gesegnete Karwoche, damit wir in und nach allen Karfreitagen unseres Lebens ein gesegnetes Osterfest erleben. Amen.

Pfr. Dr. Eberhard Kenntner

Predigt: Zum 200. Todestag von Matthias Claudius

Gottesdienst zum 200. Todestag von Matthias Claudius

* 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein)
† 21. Januar 1815 in Hamburg

Pfarrer Dr. Eberhard Kenntner

Liebe Schwestern und Brüder!

Die schrecklichen Morde von Paris haben die ganze Welt von Tschetschenien bis Nigeria, von England bis Australien aufgeschreckt, und wohl auch niemanden von uns lässt das kalt, wenn das Aufeinandertreffen verschiedener Grundeinstellungen zum Leben in blutigen Terror mündet. Hier aufgeklärte westliche Lebens- und Denkweise, dort fundamentalistische religiöse Intoleranz mit Denkverboten aller Art.

Matthias Claudius Abendlied
Matthias Claudius Abendlied
Der Grundkonflikt, um den es da geht, beherrschte in einer anderen Form auch die Zeit, in der Matthias Claudius das wunderbare Lied „Der Mond ist aufgegangen“ dichtete. Es war, wie wir eben hörten, die Blütezeit der Aufklärung. Diese hatte Immanuel Kant 15 Jahre vor der Entstehung unseres Liedes als den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ bezeichnet. Sein Aufruf lautete: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Bis heute hält sich die Meinung, und wird von manchen Medien gebetsmühlenartig wiederholt, als sei damit gegeben, dass Verstand und Gefühl, dass Naturwissenschaft und Religion sich ausschließende Gegensätze seien. Das Abendlied von Matthias Claudius will uns da eines Besseren belehren. Einen Konflikt, einen massiven sogar sieht der Dichter wohl auch, aber die Grenzlinien des Konfliktes verlaufen für ihn ganz anders, als man gemeinhin denkt.

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Predigt: Jahreslosung 2015

Römer 15, 7: Nehmt einander an wie  Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
Römer 15, 7: Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Römer 15, 7

Liebe Schwestern und Brüder,

wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, wir haben in Europa alle Auswirkungen der Finanzkrise am besten gemanagt, Gesundheitswesen, Sozialsysteme, Bildungschancen… weltweit wären Millionen Menschen glücklich, von dem, was wir haben, nur ein ganz klein wenig abbekommen zu können.
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Sonntag nach Weihnachten

Sonntag nach Weihnachten

Damals lebte in Jerusalem ein Mann, der Simeon hieß. Der hielt Gottes Gebote und vertraute ganz auf Gott. Und Simeon wartete schon lange auf die Zeit, da Israel getröstet werden sollte. Und der Geist Gottes ruhte auf Simeon. Durch den hatte Gott ihn einst wissen lassen: „Du wirst nicht sterben, bevor du den Gesalbten Gottes gesehen hast.“
Jetzt drängte ihn der Heilige Geist, in den Tempel zu gehen. Gerade brachten die Eltern das Kind Jesus dorthin. Sie wollten die Vorschriften erfüllen, die im Gesetz für das Kind vorgesehen sind. Da trat Simeon hinzu und nahm das Kind auf den Arm. Er lobte Gott und sagte:
„Gott, jetzt kann dein Diener in Frieden sterben, wie du es versprochen hast. Denn mit eigenen Augen habe ich gesehen: Von dir kommt die Rettung. Alle Völker sollen sie sehen: Ein Licht, das für die Heiden leuchtet, und deine Herrlichkeit aufscheinen lässt über deinem Volk Israel.“
Der Vater und die Mutter von Jesus aber staunten über das, was Simeon über das Kind sagte. Simeon segnete sie und sagte zur Mutter Maria:
„Sieh doch: Dieses Kind ist dazu bestimmt, in Israel viele zu Fall zu bringen und viele aufzurichten. Dieses Kind wird ein Zeichen Gottes sein, dem viele sich widersetzen. Ja, Maria, auch durch dein Herz wird ein Stich wie von einem Schwert fahren. So soll ans Licht kommen, was viele im Innersten denken.“
Lukas 2,25–35

In diesem Bibeltext sind gleich zwei spannende Geschichten versteckt. Die eine ist uns wohl vertraut und wird immer wieder gerne nacherzählt: Da ist ein gottesfürchtiger Mann namens Simeon, dem einst verheißen war, den Retter und Heiland mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Doch nun ist er alt geworden, seine Zeit ist bald abgelaufen, und noch immer wartet er auf die große Begegnung. Und dann, sozusagen im allerletzten Moment, passiert es doch noch. Er trifft Jesus – und erkennt sofort, wer dieses Kind wirklich ist. Darum kann er doch noch getröstet Abschied nehmen:

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!

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1. Advent

Predigttext 1. Advent, 30.11.2014

Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da lasse ich für David einen gerechten Nachkommen auftreten. Der wird als König herrschen. Er wird weise regieren und Recht und Gerechtigkeit üben im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, und Israel wird in Sicherheit wohnen. Und dies ist sein Name, mit dem man ihn rufen wird: „Der HERR ist unsere Gerechtigkeit!“ Darum siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da wird man nicht mehr sagen: „So wahr der HERR lebt, der die Israeliten heraufgeführt hat aus dem Land Ägypten! “, sondern: „So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern, wohin er sie zerstreut hat! Dann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen!

Jeremia 23,5–8

Liebe Schwestern und Brüder,

Jeremia träumt hier von besseren Zeiten. Sein Volk war Opfer feindlicher Mächte und eigener Verblendung geworden, die Menschen verschleppt und vertrieben worden, die Heimat zerstört. Das mit Israel und Juda, den beiden antiken Bruderstaaten, das konnte man knicken, die hatten keine Zukunft mehr, nur noch eine schmerzliche Vergangenheit! Es gab nur wenige, die den Kopf nicht hängen ließen, die sich nicht geschlagen gaben. Es gab nur wenige, die gegen jeden Augenschein und gegen jede Wahrscheinlichkeit mitten im Elend Träume wagten, Träume von besseren Zeiten.
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Totensonntag

Predigttext Totensonntag oder Ewigkeitssonntag, 23.11.2014

Es bleibt also dabei: Die endgültige Sabbatruhe steht für das Volk Gottes noch aus. Denn wer in den Ort der Ruhe Gottes eingezogen ist, der ruht sich aus von seinen Werken, so wie Gott selbst es von seinen eigenen Werken getan hat. Wir wollen uns also anstrengen, in jenen Ort der Ruhe einzuziehen. Denn niemand soll zu Fall kommen, weil er ungehorsam war!

Hebräer 4, 9–11

Liebe Schwestern und Brüder,

viele von Ihnen haben im zuendegehenden Kirchenjahr Angehörige verloren. Sie haben Menschen, mit denen Sie eng zusammengelebt haben, zu Grabe tragen müssen. Seit dem ist es still geworden in Ihrem Leben. Sehnsucht ist an die Stelle des Menschen in Ihren Armen getreten. Schmerz an die Stelle der einst so selbstverständlichen Nähe:
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Predigt: 2. Buch Samuel 12

11. Sonntag nach Trinitatis, 31.08.2014

Predigt zu 2. Buch Samuel 12,1–15a von Pfarrer Dr. Diethard Römheld

Und der HERR sandte den Propheten Natan zu König David. Und der kam zu ihm und sprach zu ihm: „Es waren zwei Männer in einer Stadt, eine war reich, und der andere war arm. Der Reiche besaß Schafe und Rinder in großer Zahl, der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte, und er zog es auf, und zusammen mit seinen Kindern wurde es bei ihm groß. Es aß von seinem Bissen, trank aus seinem Becher und schlief an seiner Brust, und es war für ihn wie eine Tochter. Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann, doch diesem war es zu schade, eines von seinen eigenen Schafen oder Rindern zu schlachten, um es für den Reisenden zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Und so nahm er das Lamm des armen Mannes und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war.“

Da entbrannte der Zorn des Königs Davids heftig über den Mann, und er sprach zu dem Propheten Natan: „So wahr der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, ist des Todes! Und das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan hat und weil er kein Mitleid hatte.“

Natan aber sprach zu David: „Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König über Israel gesalbt und habe dich aus der Hand deines Vorgängers Sauls gerettet. Und ich habe dir den Palast Haus deines Vorgängers gegeben, und die Frauen deines Vorgängers Herrn habe ich an deine Brust gelegt, und ich habe dir die Völker Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, will ich dir darüber hinaus noch manches geben. Warum hast du das Gebot des HERRN verachtet und getan, was Ihm missfällt? Batseba, die Ehefrau deines Offiziers Urija, hast du geschwängert, ihren Mann Urija hast du dann mit dem Schwert erschlagen lassen, um Batseba dir selbst zur Frau nehmen zu können. So soll nun das Schwert nie von deinem Haus weichen, weil du mich verachtet und Batseba genommen hast, damit sie deine Frau werde.
Siehe, einer deiner eigenen Söhne wird sich gegen dich wenden, und deine Frauen werde ich dir vor deinen Augen wegnehmen und sie deinem Widersacher geben, und er wird ganz offen mit deinen Frauen schlafen. Du hast es heimlich getan, ich aber werde dies vor ganz Israel geschehen lassen.“

Da sprach David zum Propheten Natan: „Ich habe gegen den HERRN gesündigt.“ Und Natan sprach zu David: „So sieht der HERR über deine Sünde hinweg: Du musst nicht sterben! Aber weil du mit dieser Tat den HERRN so verachtet hast, muss nun der Sohn, den du im Ehebruch gezeugt hast, sterben!“

Liebe Schwestern und Brüder,

darf ich vorstellen: Das hier ist König David, der von Gott erwählte Herrscher und Gesalbte Gottes, der, dessen Dynastie ewig dauern sollte, Ahnvater Jesu, Hoffnungsträger des Gottesvolkes, Psalmendichter, Lichtgestalt. David, ein Vorbild des Glaubens und der weisen Regentschaft. Selbst in seinem Bereuen, in seinem Schuldbekenntnis noch wird David als Vorbild gelobt!

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Predigt: Hesekiel 18

Predigt zu Hesekiel 18 von Pfarrerin Gudrun Schlösser

1 Das Wort des Herrn erging an mich: 2 Wie kommt ihr dazu, im Land Israel das Sprichwort zu gebrauchen: Die Väter essen saure Trauben und den Söhnen werden die Zähne stumpf? 3 So wahr ich lebe – Spruch Gottes, des Herrn -, keiner von euch in Israel soll mehr dieses Sprichwort gebrauchen. 4 Alle Menschenleben sind mein Eigentum, das Leben des Vaters ebenso wie das Leben des Sohnes, sie gehören mir. Nur wer sündigt, soll sterben.

21 Wenn der Schuldige sich von allen Sünden, die er getan hat, abwendet,auf alle meine Gesetze achtet und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, dann wird er bestimmt am Leben bleiben und nicht sterben. 22 Keines der Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, wird ihm angerechnet. Wegen seiner Gerechtigkeit wird er am Leben bleiben. 23 Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen – Spruch Gottes, des Herrn – und nicht vielmehr daran, dass er seine bösen Wege verlässt und so am Leben bleibt? 24 Wenn jedoch ein Gerechter sein rechtschaffenes Leben aufgibt, wenn er Unrecht tut und all die Gräueltaten begeht,
die auch der Böse verübt, sollte er dann etwa am Leben bleiben? Keine seiner gerechten Taten wird ihm angerechnet. Wegen seiner Treulosigkeit und wegen der Sünde, die er begangen hat, ihretwegen muss er sterben.

30 Darum will ich euch richten, jeden nach seinem Verhalten, ihr vom Haus Israel – Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, wendet euch ab von all euren Vergehen! ie sollen für euch nicht länger der Anlass sein, in Sünde zu fallen. 31 Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? 32 Ich habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss – Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Amen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Söhnen sind die Zähne stumpf geworden. Was kann er dafür, dass er auf die schiefe Bahn geraten ist, dass er immer gleich zuschlägt, wenn ihm einer dumm kommt. Ist jemals jemand mit ihm gut umgegangen? Liebevoll und wertschätzend?

Fehlanzeige

– stattdessen spürt er noch heute die Schläge, die er einstecken musste, wenn sein Vater mal wieder betrunken nach Hause kam.
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Das Lied der Überwinder

Kantate, Sonntag 18. Mai 2014

Predigt zur Offenbarung 15, 2-4 von Pfarrer Dr. Diethard Römheld

Ich sah etwas,
das aussah wie ein gläsernes Meer,
in das Feuer gemischt war.
Und ich sah alle,
die den Sieg errungen haben.
Sie haben sich befreit
von der Macht des Tieres und seines Standbilds
und ebenso von der Macht der Zahl,
die sein Name ergibt.
Sie standen an dem gläsernen Meer
und hatten die Harfen Gottes in der Hand.
Sie singen das Lied des Mose,
der ein Diener Gottes war,
und das Lied des Lammes.
Sie singen:
„Groß und wunderbar sind deine Werke,
Herr, Gott, Herrscher über die ganze Welt.
Voller Gerechtigkeit und Wahrheit sind deine Wege,
du König über die Nationen.
Wer wird vor dir, Herr, keine Ehrfurcht haben
und deinen Namen nicht preisen?
Denn du allein bist heilig!
Alle Nationen werden kommen
und sich vor dir nieder werfen.
Denn deine gerechten Taten sind nun für alle offenbar.“


Offenbarung 15
, 2-4

Liebe Schwestern und Brüder,

irgend ein deutscher Schriftsteller, ich habe vergessen, wer, hat vor Jahren einmal kritisch über meinen Berufsstand gesagt: Pfarrer sind Menschen, die immer noch daran glauben, man könne die Welt mit Worten verändern. Und zwischen den Zeilen klang mit: Aber das könnt Ihr Pfaffen getrost vergessen, das funktioniert nicht. Doch wenn das tatsächlich so wäre, dass das nicht funktioniert, warum bekämpfen die Diktatoren der Welt dann so fleißig das Wort, wozu braucht es dann die Zensur? Warum ist dann die freie Rede oder Schreibe so tödlich?
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