Predigt: Der Sabbat

Pfarrer Dr. Diethard Römheld

Markus 2,23–27*
An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder.
Unterwegs rissen seine Jünger Ähren von den Halmen.
Da sagten die Pharisäer zu ihm:
„Sieh nur, was sie tun.
Das ist am Sabbat verboten.“
Er antwortete ihnen:
„Habt ihr denn nicht gelesen,
was David getan hat,
als er und seine Männer in Not waren
und Hunger hatten?
David ging in das Haus Gottes
und aß von den Broten auf dem Altar.
Dabei durften eigentlich
nur die Priester davon essen.
Aber David gab sogar seinen Kämpfern von den Broten.“
Und Jesus sagte zu den Pharisäern:
„Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht,
nicht den Menschen für den Sabbat!“

Abschaffung des jüdischen Sabbats

Ach ja, der Sabbat! Gäbe es den nicht, müsste er glatt erfunden werden, damit Jesus ausreichend Gelegenheit hat, sich abzugrenzen von den Erwartungen seiner Zeitgenossen! Am lockeren Verhältnis zum Sabbat und seinen Gesetzen sollt ihr Jesus erkennen, scheinen die Evangelien erzählen zu wollen.
Die Begehung des Sabbats ist selbst unter wenig religiösen Juden bis heute absolut selbstverständlich, identitätsstiftend sozusagen. Sie kennen vielleicht die alte jüdische Anekdote zum Thema:

An einem Sabbat ertappt der Rabbi seinen Schwiegersohn beim Zigarettenrauchen und fällt über ihn her: „Du Heide! Du Schabbes-Schänder! Du Verräter!“ Darauf der Schwiegersohn kleinlaut: „Ich hab vergessen, wie ich leben soll!“ – „Was heißt: vergessen? Wie kann ein Jude vergessen, dass Schabbes ist?’ – „Gott behüte! Ein Jude kann das nicht vergessen!“ – „Was denn? Hast du vielleicht vergessen, dass ein Jude am Schabbes nicht rauchen darf?“ – „Gott behüte! Was fällt dir ein, dass ein Jude so was vergessen könnte!“ – „Was hast du denn vergessen?“ „Ich hab ganz einfach vergessen, dass ich ein Jude bin.“

Hat Jesus hier auch vergessen, dass er Jude ist? Oder will Jesus gar kein Jude mehr sein? Erleben wir hier gerade die Abschaffung des Sabbats? Diese Geschichte wird oft für das Paradebeispiel grundlegender Kritik an der jüdischen Gesetzlichkeit gehalten.

Jesu Heiligung des Sabbats

Wer sich in seiner Bibel ein wenig auskennt, wird wissen, dass Jesus an keiner Stelle den Sabbat abgeschafft hat. Jesus selbst besucht am Sabbat die Synagoge, heute würden wir sagen: Er geht in die Kirche, betet, liest die heiligen Texte, predigt und sucht mit seinen Wunderheilungen Gottes Werk im menschlichen Tun sichtbar werden zu lassen. Denn es ist doch gerade dem Sabbat angemessen, Gutes zu tun! Nein, es bleibt dabei, für Jesus müsste der Sabbat erfunden werden, gäbe es den nicht längst. Der Sabbat bleibt auch für Jesus ein Zeichen zwischen Gott und den Menschen, dass sie beide zusammengehören, gemeinsam durch ihr Leben gehen.

Und wer sich ein wenig im antiken Judentum auskennt, könnte auch wissen, dass jener berühmte Jesussatz:
Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht, nicht den Menschen für den Sabbat! ursprünglich gar nicht von Jesus stammt. Jesus zitiert hier eine ältere jüdische Lehre. Die Spuren jenes Satzes reichen bis ins 2. Jh. vor Christi Geburt zurück! Unser Gefühl: Wir sind im Recht, jene im Unrecht, trügt. So billig ist die Botschaft für den heutigen Sonntag nicht zu haben!

Die Heiligung des Menschen am Sabbat

Es lohnt sich, noch einmal genauer hinzuschauen, was Jesus hier seinen Zeitgenossen mitgeben will: Habt ihr denn nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Männer in Not waren und Hunger hatten? David ging in das Haus Gottes und aß von den Broten auf dem Altar. Dabei durften eigentlich nur die Priester davon essen. Aber David gab sogar seinen Kämpfern von den Broten.

In jener alttestamentlichen Episode ist David mit seinen wenigen Kämpfern auf der Flucht vor König Saul. Erschöpft und hungrig stoßen sie auf einen Tempel Gottes. Dort liegen, jeden Sabbat frisch, Opferbrote auf dem Altar, leicht angeröstet vom begleitenden Weihrauch. Der Duft ist Gottes Anteil, die Brote selbst dürfen, oder soll ich sagen: müssen die Priester essen. Gott teilt sozusagen das am Sabbat ihm gebrachte Opfer mit den Menschen. Auch hier geht es um die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch: Das Brot bringt Gott und Mensch zueinander. Als nun David mit seiner Truppe auftaucht, stellt sich, liest man im Alten Testament genauer nach, nicht die Frage: Dürfen die davon essen? Die Frage des Hohen Priesters ist vielmehr: seid ihr kultisch rein, habt ihr euch vorbereitet darauf, Gott gegenüberzutreten und mit ihm zusammen zu essen?

Meine These ist auf den ersten Blick vielleicht gewagt, liegt aber auf der Linie des alttestamentlichen Argumentes: Wer am Sabbat mit Gott isst, wer am Sabbat Gottes Wort vernimmt, Gottes heilendem Willen begegnet, der ist selbst heilig, wird in Gottes Heiligkeit eingebettet. Nicht WIR machen den Feiertag heilig für Gott, sondern Gott macht Seinen Tag heilig für uns, trägt von Seiner Heiligkeit in unser Leben. Oder in Jesu Worten: der Mensch ist nicht dazu da, den Sabbat für Gott heilig zu machen, sondern der Sabbat ist dazu da, dass Gott Seine Heiligkeit mit den Menschen teilt. Und ganz besonders mit den Menschen auf der Flucht wie damals bei David, und den Menschen, die hungert, wie hier bei den Jüngern.

Was geht uns das an?

Besonders steil wird meine Auslegung bei der Frage, wer denn heute, unter uns, Adressat dieser Heiligkeit ist, wem denn der Sabbatsegen heute gilt. Alttestamentlich betrachtet sind WIR jedenfalls nicht auf der Flucht. Neutestamentlich betrachtet sind WIR jedefalls nicht hungrig, leben auch nicht von der Hand in den Mund. Aber auch WIR meinen immer wieder zu wissen, was uns heilig ist und wie das unangetastet bleiben muss. Dabei hat Jesus gerade nicht gesagt: Der Sabbat ist für EUCH da, sondern: Der Sabbat ist für den Menschen da. Und das war in dem Predigttext gerade der Andere! Es geht nicht darum, das zu erhalten, was Ihr für heilig, für unantastbar haltet, sondern um das, oder besser, um diejenigen, die Gott heilig sind, die Gott Seiner Zuwendung wert sind. Und ich fürchte, von denen gibt es im Moment sehr viele unter uns! Und leider noch viel mehr vor unseren Grenzen. Die Frage dieses Predigttextes könnte sein, und ich spreche das mit bangem Herzen aus: für wen wird heute mitten unter uns Sonntag, Sabbat, Gottes heiliger Tag werden? Wer darf heute die Ähren unseres eigenen Ackers raufen, rupfen, essen? Mit wem will heute Gott die Gaben seiner Schöpfung teilen? Ja, das geht uns ähnlich schwer runter wie einst jenen Zeitgenossen Jesu. Wir fürchten den Untergang des Abendlandes, wenn alle dürfen, die müssen. Gott hingegen fürchtet den Untergang Seiner Schöpfung. DAS macht diese Geschichte so bitter, damals wie heute!

Lassen Sie mich noch ein Wort hinzufügen, aus meiner Rolle als Pfarrer heraus, bei Jesus jedenfalls steht es so nicht: Selbst die wirklich Wohlmeinenden unter uns, selbst die, die sich noch sehr lebendig an eigene Flucht und Vertreibung nach dem letzten Krieg erinnern, spüren die Angst, dass unsere Gesellschaft muslimisch werden könnte und wir uns in der eigenen Gesellschaft nicht mehr zuhause fühlen werden. Mir als Pfarrer geht dabei durch den Kopf: Wir können nur erhalten, was wir auch aktiv leben, was uns selbst wichtig ist. Ein Sonntag der leeren Kirchen ist irgendwann kein Sonntag mehr. Unsere Angst vor dem muslimischen Freitagsgebet erzählt vielleicht mehr über uns selbst und unsere faulen Kompromisse als über eine wirkliche Bedrohung durch das Fremde.

Und mit diesem Predigttext füge ich hinzu: der Sabbat ist nicht der Tag, an dem alles bleibt, wie es ist, sondern an dem Gottes Heiligkeit der Welt gegenübertritt, um Seinen Willen aufzurichten. Dazu nimmt Gott auch uns in seinen Dienst.

Amen

Predigt: Haus am Römerkanal 17.09.2015

Pfarrer Dr. Diethard Römheld

Lukas 17,1–6
Er sprach aber zu seinen Jüngern:
Verführung wird kommen, sie sind unausweichlich!
aber weh dem, durch den sie kommt!
Es wäre besser für ihn,
wenn man einen Mühlstein an seinen Hals hängt
und ihn ins Meer wirft,
als dass er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt.
Seht euch vor!
Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht;
und wenn er es bereut, vergib ihm.
Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen wird
und siebenmal wieder zu dir kommt und spricht:
Es tut mir leid!,
so sollst du ihm vergeben.
Da sprachen die Apostel zum Herrn:
Gib uns mehr Glauben!
Der Herr aber sprach:
Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn,
dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen:
Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!,
und er würde euch gehorchen.

Auf den ersten Blick ist das ganz schön befremdlich, ja unheimlich, was Jesus hier tut: Erst kündigt er seinen Freundinnen und Freunden große Gefahren für ihren Glauben an: Anfechtungen, Verführungen. Doch als seine Gefährten dann aufgeschreckt und voller Sorge um Stärkung ihres Glaubens bitten, damit sie gewappnet sind, bekommen sie nicht, was sie brauchen! Jesus führt ihnen scheinbar gnadenlos vor, wie winzig ihr Glaube ist und dass sie erst gar keine Chance haben! Denn wer kann schon von sich sagen: Mein Glaube kann Bäume mit der Kraft allein des Wortes verpflanzen? Das ist alles andere als Mut machend!

Ach übrigens, Jesus, will ich ihm entgegenwerfen: mir würde ein Glaube reichen, der nicht irre wird an Dir, der den Zweifeln und der Kälte der Welt gewachsen ist. Ich will einen Glauben, der mich durch dunkle Stunden trägt und stärker ist als alle Dunkelheiten! Das würde mir reichen! Jesus, ich brauche doch gar keine Bäume verpflanzen, ich muss keine Wunder vollbringen. Mit würde völlig reichen, wenn ich einen Halt für mich selbst finden würde! Es würde mich auch beruhigen, wenn ich der Anfechtung und der Krise des Glaubens entgegen könnte.

Das war mein erster, mein erschreckter Blick auf diesen Text. Aber ist es wirklich wahr, dass Jesus uns Angst machen und anklagen will, unser Glauben sei ja winziger als ein Senfkorn? Das passt doch gar nicht zu dem Rest des Textes vom Bereuen und wieder neu Anfangen und Verzeihen! Kann es sein, dass ich hier etwas gründlich falsch verstanden habe? Oder genauer: kann es sein, dass ich hier nicht Jesu wirklicher Botschaft höre, sondern dass hier meine eigene Angst zu mir spricht? Jene Angst, dass mein Glaube nicht reichen könnte, dass ich vor Gottes Augen versagen könnte, Gottes Ansprüchen nicht genügen könnte? Manchmal hören wir bekanntlich ja nur, was wir hören wollen. Manchmal sind wir von unserer eigenen Angst so gefesselt, dass gar nicht mehr zu uns durchdringt, was andere uns Gutes sagen wollen.

So könnte das hier auch sein, wenn ich es mir genau überlege: Hier steht nämlich nirgends: Euer Glaube ist nicht einmal so groß wie ein Senfkorn, schämt euch! Vielleicht wollte Jesus uns etwas ganz anderes sagen, nur wir konnten es nicht hören vor Angst: Auch wenn euer Glaube nur so winzig wie ein Senfkorn wäre, könntet ihr zum Baum sagen … Und zwischen den Zeilen stände dann die Fortsetzung: Euer Glaube aber ist größer als das Senfkorn, warum zweifelt ihr daran? Traut Eurem Glauben doch mehr zu, der wird euch tragen und beschirmen auch mitten in allen Zweifeln und Anfechtungen. Sicher, die werden euch nicht immer erspart bleiben. Aber ihr braucht keine Angst zu haben. Euer Glaube wird euch schon tragen! Werft den Glauben nicht schon vorher weg, haltet an ihm fest, und ihr dürft ganz gewiss erfahren, wie groß seine Kraft sein wird! Denn das Besondere am Glauben ist nicht, dass wir stark sein müssen, sondern dass wir gewiss sein dürfen, nicht alleine unterwegs zu sein. Nicht unsere Stärke und Mut, sondern Gottes Nähe und Begleitung werden uns durch dunkle Stunden tragen.

Das ist es, was Jesus meinte, als er davon sprach: Auch wenn ihr umfallt und versagt, wenn euer Mut mal nicht reicht, wenn Zweifel euch übermannen, ihr dürft umkehren, bei mir neu anfangen, das soll uns nicht voneinander trennen. Nicht wir sind Glaubenshelden, sondern Gott ist für uns stark, weil er sich nicht von uns abwendet!
Doch wie ist das dann mit dem Baum und dem Meer? Mir ist das erst im dritten Anlauf aufgegangen: Wenn wir mit unserem winzigen Glauben Bäume verpflanzen könnten mitten ins Meer, wissen Sie, wem unsere Bäume dort begegnen würden? Jenen bösen Mächten, die mit einem Mühlstein um den Hals dorthin verbannt gehören! Sie erinnern sich:

Weh dem, durch den die Anfechtung kommt! Es wäre besser für ihn, wenn man einen Mühlstein an seinen Hals hängt und ihn ins Meer wirft, als dass er einen von euch zum Abfall verführt.

Jesus gebraucht hier ein Sprachbild: Der Glaube kann, selbst wenn er so winzig wie ein Senfkorn wäre, sehr wohl dem Verführer, der Anfechtung, dem Zweifel trotzen, er kann ihn mitten ins Meer verbannen. Denn ein Glaube, der mit Gottes Vergebung rechnet, ist stärker als all die kommenden Herausforderungen. Traut es eurem Glauben, traut es Gottes Treue zu! Wenn wir das Wort Jesu so lesen, dann wird es zu einem sehr tröstlichen Wort, dann macht es auch uns Mut zu unseren Lebenswegen unter dem freundlichen Angesicht Gottes!

Alles andere wäre ja auch grober Unfug: wer will schon Bäume mitten ins Meer verpflanzen? Die wachsen dort doch gar nicht! Die Sache mit dem Baum und dem Meer ist ein Bild für alles, was uns das Glauben schwer machen will – und was wir im Vertrauen auf Gottes Güte beiseite räumen können, weil Gott sich als stärker erweisen wird als all unsere Dunkelheiten!
Amen!

Diakoniesonntag

1509-Diakoniesonntag

Fremd sein kennt jeder – unter diesem Motto steht der erste Diakoniesonntag der Gemeinde.
Sich fremd fühlen, dieser Erfahrung hat jeder schon einmal gemacht. Sei es der erste Morgen am neuen Arbeitsplatz, sei es wenn man nach langen Jahren zum ersten Mal wieder einer neuen Sportgruppe beitritt. Im Urlaub, in einem fremden Land müssen wir viele neue Eindrücke, oftmals auch uns fremde sortieren.
Natürlich bleibt in diesem Gottesdienst das Schicksal der vielen Flüchtlinge in unserem Land und im Besonderen in unserer Stadt nicht außen vor. Aber auch die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung, die viele Rheinbacher nach dem 2. Weltkrieg selbst erleben mussten, auch sie haben in diesem Gottesdienst ihren Platz.
Ein wenig wollen wir nach dem Gottesdienst noch zusammen bleiben und gemeinsam über unsere Erfahrungen mit dem eigenen Fremdsein bei einer Tasse Kaffee reden, aber auch hören, wo wir als Gemeinde momentan mithelfen können, damit Flüchtlinge sich in Rheinbach willkommen fühlen.

Presbyteriumswahl 2016

Am 14. Februar 2016 wird das Presbyterium unserer Kirchengemeinde neu gewählt. Das Wahlverfahren beginnt am 13. September 2015. Alle wahlberechtigten Mitglieder unserer Kirchengemeinde sind aufgefordert, bis zum 24. September 2015 schriftlich Wahlvorschläge beim Presbyterium einzureichen. In unserer Kirchengemeinde werden mindestens 10 Kandidatinnen und Kandidaten für das Presbyteramt gesucht. Außerdem sind 2 beruflich Mitarbeitende in das Presbyterium zu wählen.

Die vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten müssen am Wahltag (14. Februar 2016) mindestens 18 Jahre alt, in das Wahlverzeichnis eingetragen und nach den Bestimmungen der Kirchenordnung zur Leitung und zum Aufbau der Kirchengemeinde geeignet sein (konfirmiert, nicht enger verwandt mit anderen Kandidat/innen, Art. 44–48 Kirchenordnung). Darüber hinaus dürfen sie das 75. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Auch die beruflich Mitarbeitenden müssen die vorstehenden Voraussetzungen erfüllen.

Bitte reichen Sie mit Ihren schriftlichen Vorschlägen auch die schriftliche Zustimmungserklärung der bzw. des Vorgeschlagenen ein. Vordrucke hierfür erhalten Sie im Gemeindebüro, Ramershovener Straße 6.

Die Vorschläge können bei jedem Mitglied des Presbyteriums oder dem Gemeindebüro (s.o.) abgegeben werden.

Das Presbyterium hat beschlossen, dass alle Wahlberechtigten mit der Einladung zur Wahl (bis 20. Januar 2016) auch die Wahlunterlagen für eine mögliche Briefwahl erhalten.

Wahlberechtigt ist, wer bei Schließung des Wahlverzeichnisses am 7. Februar 2016 Mitglied der Kirchengemeinde ist, zu den kirchlichen Abgaben beiträgt, soweit die Verpflichtung hierzu besteht, und am Wahltag (14. Februar 2016) konfirmiert oder mindestens 16 Jahre alt ist. Das Wahlverzeichnis wird in der Zeit vom 17. Januar bis 7. Februar 2016 zur Einsichtnahme im Gemeindebüro (s.o.) ausgelegt. Die Eintragung ins Wahlverzeichnis ist Voraussetzung für die Wahlberechtigung.

(Für das Presbyterium: Römheld)

Nachruf: Manfred Kohlosser

Liebe Geschwister im Herrn!

Die Evangelische Kirchengemeinde Rheinbach trauert um ihren Prädikanten und langjährigen Presbyter Manfred Kohlosser. Seit über 30 Jahren hat er unsere Kirchengemeinde mitgestaltet und in den letzten Jahren uns mit seinen Predigten seinen Glauben und seine Hoffnungen weitererzählt. Wir danken dem ewigen Gott für die Spuren, die Manfred Kohlosser unter uns gezogen hat und bitten Ihn, Manfred Kohlosser in Seiner Hand geborgen zu halten!

Für das Presbyterium
Pfr. Diethard Römheld

Musik in der Gnadenkirche

1509-Posaunenchor

Der Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinbach und der Bläserkreis der Evangelischen Kirchengemeinde Wuppertal-Cronenberg spielen Werke aus verschiedenen Jahrhunderte.
Sonntag, 27. September 2015, 18 Uhr, Gnadenkirche Rheinbach
Eintritt frei!

Kinderbibeltag: Echt stark!

Samstag, 26. September 2015
10.00 – 14.00 Uhr
im ev. Gemeindezentrum Ramershovener Str. 6

Für alle Kinder von 6 – 12 Jahren

Theater, Singen, Spielen und Basteln, gemeinsames Mittagessen und jede Menge Spaß!

Anmeldungen bis 23. September 2015 im ev. Gemeindeamt, Tel. 4760

Informationen bei B. Preußner, E-Mail: beatrix.preussner@ekir.de

Ökumenischer Gottesdienst im Freizeitpark

Freilichtbühne im Freizeitpark

13. September 2015 – 17.00 Uhr

Predigt: Pfarrer Klaus Haubold (FeG)

Herzliche Einladung!

Veranstalter:
Katholische St. Martin Kirche, evangelische Gnadenkirche,
freie evangelische Gemeinde – Ökumenischer Arbeitskreis

V.i.S.d.P.: Gerda Horster, Tel. 02226-3291

Predigt: Mirjamsonntag 2015

06.09.2015

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, des Vater, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Weisheit spricht:

22Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, /
vor seinen Werken in der Urzeit;
23in frühester Zeit wurde ich gebildet, /
am Anfang, beim Ursprung der Erde.
24Als die Urmeere noch nicht waren, /
wurde ich geboren, /
als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
25Ehe die Berge eingesenkt wurden, /
vor den Hügeln wurde ich geboren.
26Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren /
und alle Schollen des Festlands.
27Als er den Himmel baute, war ich dabei, /
als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
28als er droben die Wolken befestigte /
und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
29als er dem Meer seine Satzung gab /
und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,
30als er die Fundamente der Erde abmaß, /
da war ich als geliebtes Kind bei ihm.
Ich war seine Freude Tag für Tag /
und spielte vor ihm allezeit.
31Ich spielte auf seinem Erdenrund /
und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.
32Nun, ihr Söhne, hört auf mich! /
Wohl dem, der auf meine Wege achtet.
33Hört die Mahnung und werdet weise, /
lehnt sie nicht ab!
34Wohl dem, der auf mich hört, /
der Tag für Tag an meinen Toren wacht /
und meine Türpfosten hütet.
35Wer mich findet, findet Leben /
und erlangt das Gefallen des Herrn.
36Doch wer mich verfehlt, der schadet sich selbst; /
alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Sprüche 8, 22-36

Ist sie nicht wunderschön, die Weisheit?
Ein fröhlich spielendes Kind, im großen Garten der Schöpfung.
Alles wird bestaunt. Alles muss entdeckt und bejubelt werden.
Wie lustig das Wasser zwischen den Steinen hervorkommt, wie das Meer rauscht und auf den Strand läuft, wie die Wolken am Himmel langziehen und sich zu immer wieder neuen Formen zusammenschließen.

Ist sie nicht wunderschön, die Weisheit?
Eine junge, hübsche Frau.
Sie tanzt vor Gott und drückt so die Freude über die Schöpfung aus.
Ich war sein Liebling, seine Freude, seine Lust Tag für Tag.

Ist sie nicht wunderschön, die Weisheit?
Die alte weise Frau, die weiß, was das Leben trägt, was auch dann noch hält, wenn die Welt aus den Angeln zu fliegen droht.

Ist sie nicht wunderschön, Frau Weisheit, die hier zu uns spricht, ja, besser singt und von sich erzählt?

Ja, Sie haben richtig gehört.
Im Alten Testament, in den sogenannten Weisheitsbüchern, die voll sind von Lebensweisheiten, wird die Weisheit oft als eine Frau beschrieben – nicht unbedingt als alte weise Frau, wie wir es vielleicht aus Märchen kennen, sondern als spielendes und staunendes Kind, als junge Frau, wunderschön und verlockend, eine Freude, eine Lust für Gott und die Menschen.
Unablässig wirbt sie für sich, für ein Leben auf ihren Wegen, weil nur ein solches Leben gelingendes Leben ist.
Ja, diese Frau weiß, wo alles Leben herkommt, wie es gelingt, worauf es ankommt, was man tun muss, um das Leben nicht zu verderben und zu verfehlen.
Selbstbewusst singt sie von sich, vielleicht ein bisschen überheblich, aber steht ihr das nicht auch zu?
Vor allen anderen Geschöpfen hat Gott sie geschaffen. Wahrscheinlich wusste er, dass diese seine Schöpfung nicht ohne die Weisheit existieren und v.a. Bestand haben würde.
„Er baute den Himmel – ich war dabei.
Er maß den Erdkreis über den Wassern ab – ich war dabei.
Er setzte die Wolken an den Himmel – ich war dabei.
Er ließ die Quellen springen – ich war dabei.
Ja, ich habe sogar mitbekommen, wie er dem Meer seine Grenzen und Satzungen gegeben hat.
Ich war dabei als er alles weise geordnet hat.
Der Garten der Schöpfung war mein Spielplatz.“
so sagt sie stolz, die Weisheit.
Sie weiß Bescheid, sie kennt sich aus, auch über die Grenzen unseres Wissens und unserer manchmal sehr engen Sicht hinaus.
Und sie weiß es nicht nur, hat nicht nur Wissen angesammelt. Sie nimmt nicht nur zu Kenntnis, sondern sie spielt, spielt mit Möglichkeiten, spielt mit Kreativität, ist mit Verstand und mit Herz dabei. Sie hat Freude daran und vermittelt diese Freude, vermittelt die Freude, die Gott an seiner Schöpfung hat
und in seine Schöpfung hineingelegt hat. Wir sollen uns freuen an der Schöpfung, an deren guten Lebensregeln, die uns erst Leben ermöglichen.
Sie vermittelt ihre Lehren nicht verbissen und sauertöpfisch an ungelehrige Kinder, nicht genervt und besserwisserisch – so ist die Weisheit nicht – vielmehr spielt sie, tanzt und lädt zur Mitfreude ein. Werben will sie, nicht belehren. Verführen will sie – und manchmal mahnt sie auch. Sie zieht alle Register der Überredungs- und Überzeugungskunst.
„Ihr Söhne und Töchter hört auf mich. Folgt mir. Achtet auf meine Weisungen, dann werdet ihr Leben finden – gelingendes Leben; Leben, dessen Perspektive über den heutigen Tag hinaus geht. Leben, das nicht nur euch selbst,
sondern auch die anderen Menschen, ja, die ganze Schöpfung im Blick hat. Leben, das Gott gefällt; Leben, das Gott schenkt und schützt.
Aber – Achtung! Ihr könnt euch auch gegen mich entscheiden. Ihr könnt mich verfehlen. Aber damit schadet ihr euch selbst, lauft in euer Unglück und zieht noch andere mit.“

Ich frage mich, warum die Weisheit seit Bestehen der Welt, seit Bestehen des Menschen – ja, seit Adam und Eva –
so um uns Menschen werben muss. Ich frage mich, warum wir immer wieder den Eindruck haben, dass die Weisheit – wie schon bei Adam und Eva – nicht durchkommt mit ihrem Werben – bis heute?
Warum lassen wir uns eher von der Torheit einfangen, statt dem Werben der Weisheit zu folgen?
Vielleicht weil die Torheit auch immer wieder verlockend, verführend, werbend daher kommt.
Vielleicht weil die Torheit vorgibt, die Dinge besser machen zu können, als Gott sie geordnet hat – mehr heraus zu holen, effektiver mit ihnen umzugehen.
Vielleicht weil die Torheit so oft scheinbar plausibel, offensichtlich und einfach daher kommt – mit einfachen Lösungen und Antworten – und uns der Blick hinter die Dinge, die Auseinandersetzung mit den Hintergründen oder gar mit Menschen, zu mühsam ist und zu viel Zeit kostet.
Vielleicht weil die Torheit uns glauben machen will, dass wir selbst der Mittelpunkt der Welt sind, das Zentrum um das sich alles dreht und an dem sich alles ausrichten muss: Vielleicht weil sie uns einredet, dass Selbstoptimierung und Selbstdarstellung das höchste Ziel sind, dem alles andere und alle anderen unterzuordnen sind.
Vielleicht, weil Torheit auf schnellen Erfolg setzt und schnelle Antworten parat hat, während die Weisheit manchmal lange schweigt, bevor sie antwortet. Haben wir keine Zeit mehr für die Weisheit? Scheint uns der Schnellschuss effektiver?
Aber – der Tor hat keine Zukunft. Er verspielt seine Zukunft in der Gegenwart.
Wie das konkret aussieht? Wir wissen es eigentlich längst:
„Wenn wir die Weisheit verfehlen, fügen wir uns selbst Gewalt zu. Wenn wir die Umwelt zerstören, dann gefährden wir das Leben. Egoistisches, rücksichtsloses Wirtschaften bringt Ungerechtigkeit und Tod. Gleichgültigkeit und Intoleranz erzeugen Unfrieden in der Gesellschaft. Zu viel Luxus und Konsum machen krankt.“
(Arbeitsheft zum Mirjamsonntag 2015)
Wir wissen es längst und lassen uns doch so leicht einfangen.
Wie anders sieht die Weisheit aus als die Torheit.
Die Weisheit lässt sich nicht durch den äußeren Schein täuschen. Sie sieht hinter die Dinge. Sie sieht den Dingen auf den Grund.
Weisheit lehrt zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden.
Weisheit fällt nicht auf die Tagesparolen herein, die die Schlagzeilen für einen Tag, vielleicht auch für zwei bestimmen und dann wieder vergessen sind.
Die Weisheit sucht nach dem, was das Gestern mit dem Heute und dem Morgen verbindet. Sie fragt nach dem Bleibenden im Flug der Zeiten.
Sie fragt nach Gerechtigkeit inmitten einer Welt der Ungerechtigkeit, und sie fragt nach der Wahrheit in Zeiten der schnellen Lüge. Die Weisheit beteiligt sich nicht an Hetzkampagnen und fällt nicht auf den Jubel oder das Gebrüll der Massen herein.
Die Weisheit lehrt uns, dass nicht wir der Nabel der Welt sind.
„Die Gottesfurcht ist der Anfang der Weisheit“ heißt es
– zu erkennen und anzuerkennen, dass nicht ich, sondern ein anderer Herr der Welt ist, dass ich nicht alles in der Hand habe, dass ich nicht das Recht habe, mich anderer oder der Schöpfung achtlos zu bedienen und sie meinen Interessen unterzuordnen, dass ich nicht das Maß aller Dinge bin.

Frau Weisheit wird nicht müde, für sich und um uns zu werben.
„Mensch, du hast die Wahl. Entscheide dich, ob du den Weg der Torheit gehen willst, oder ob du der Weisheit folgst.
Entscheide dich für den Weg, der zum Leben führt und nicht für den Todesweg. Entscheide dich für das gute Leben,
das sinnvolle Leben, das im Einklang mit Gott ist und seiner Schöpfung.“

Ist sie nicht wunderschön und verlockend, Frau Weisheit, das spielende Kind, die tanzende junge Frau, die weise alte Frau.
Warum folgen wir ihr nicht? Gibt es nicht genügend Situationen, in denen uns gerade die Weisheit fehlt, in der wir uns und anderen Weisheit und den weiten Blick wünschten? Situationen, in denen wir ratlos dastehen und die Weisheit unter unserer Geschäftigkeit und hinter unseren Problembergen verdunkelt ist. Wir können sie kaum erkennen und fragen uns: Was ist weise? Was ist klug? Jetzt , in dieser konkreten Situation.
Salomo hatte einen Wunsch frei – und er wünschte sich ein weises Herz.
Vielleicht sollten auch wir immer wieder inne halten und genau darum bitten: um ein weises Herz, um Weisheit für uns und für die Welt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unser Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pfr.’in Gudrun Schlösser