Anmeldung zum Konfirmandenunterricht 2015/2016

Die Jugendlichen können am Dienstag, den 9. Juni, in der Zeit von 10.00 – 18.00 Uhr im Gemeindezentrum, Ramershovener Str. 6 von ihren Eltern angemeldet werden. In dieser Zeit stehen Ihnen die hauptamtlich Mitarbeitenden, Pfrn. Schlösser, Pfr. Dr. Römheld und Frau Rottschäfer zur Anmeldung zur Verfügung. Sie bekommen eine Übersicht über die
anfallenden Termine und weitere Informationen zu Unterrichtsmaterial und Konfirmandenfreizeit.

Der Unterricht, der mit der Konfirmation am 5. bzw. 12. Juni 2016 endet, findet jeweils am Dienstagnachmittag in der Zeit von 15.15 – 17.15 Uhr statt.

Freiluftgottesdienst mit Taufen Pfingstmontag, 25.5.2015, 11.00 Uhr

Der Gottesdienst findet statt auf dem Außengelände der Ev. Jugendbildungsstätte Merzbach, Weidenstraße – eine gute Gelegenheit, sich am Morgen mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf den Weg nach Merzbach zu machen.
Wer sich weder zu Fuß, noch mit dem Rad oder eigenem PKW auf den Weg machen will, kann mit unserem Kirchenbus fahren:
10.15 Uhr Fliederstraße
10.20 Uhr Breslauer Str.
10.40 Uhr Kirche
Anschließend an den Gottesdienst sind alle zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Bitte bringen Sie Teller und
Besteck mit!
Wir hoffen auf schönes Wetter und einen fröhlichen Pfingstgottesdienst im Freien.

Frühstückscafé

Nächsten Donnerstag, am 07.05.2015, findet wieder das monatliche Frühstückscafé für Senioren und Seniorinnen zwischen 65 und 75 Jahren im Gemeindehaus statt! Von 09.00 – 11.00 Uhr sind Sie alle herzlich eingeladen, zusammen zu frühstücken, zusammen zu reden und sich an der Gemeinschaft miteinander zu erfreuen! Wir freuen uns auf Ihr zahlreiches Erscheinen!

Rheinbach liest in der Gnadenkirche: Die Tagebücher von Adam und Eva

Rheinbach liest in der Gnadenkirche. Dies war ein wunderbarer Ausklang des Wochenendes mit Mark Twains “Die Tagebücher von Adam und Eva” gelesen von Julia und Nito Torres.

Wer nicht dabei war, der hat etwas verpasst.

Verabschiedungsgottesdienst

Am Sonntag, 26.4.2015 werden im Gottesdienst um 10.00 Uhr Prädikantin Antje Kenntner und Pfarrer Dr. Eberhard Kenntner durch den Superintendenten, Herrn Pfarrer Mathias Mölleken, entpflichtet. Im selben Gottesdienst wird Pfr. Dr. Diethard Römheld als Nachfolger von Pfr. Dr. Kenntner eingeführt. Im Anschluss an den Gottesdienst ist Gelegenheit, sich von Antje und Eberhard Kenntner persönlich zu verabschieden, sowie Pfr. Dr. Römheld willkommen zu heißen.

Predigt: Erster Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti) 2015

Erster Sonntag nach Ostern:

Glaube und Zweifel gehören zusammen

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. 24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. 26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Johannesevangelium 20, 19-29

Liebe Schwestern und Brüder!

Der erste Sonntag nach Ostern trägt den Namen „Quasimodogeniti“, wie die neugeborenen Kinder. Ja, so dürfen wir uns fühlen nach Ostern. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort, neue Zukunft und Zuversicht für die Wege die vor uns liegen sind angesagt.

Doch in den Kirchen ist von solch neuer Zukunft wenig zu spüren. Immer mehr Menschen fragen sich: Hat der christliche Glaube, hat die Kirche in unserem Land eigentlich noch Zukunft? Oder kaschieren wir mit allerlei Aktivitäten nur das unaufhaltsame Schrumpfen des Glaubens, in der Gesellschaft, der Kirche, bei uns selber?

Ja, haben wir womöglich noch nicht realisiert, dass die Weisen aus dem Morgenland, die auf ein Sternzeichen hin kommen und in Jesus den Heiland der Welt anbeten, dass diese längst von den Weisen aus dem Abendland abgelöst worden sind? Von denen also, die radikal alles hinterfragen, was nicht beweisbar und mit Fakten belegbar ist? Die den radikalen Zweifel zur Methode gemacht haben und unseren Glauben für eine Krankheit unselbständiger, lebensuntüchtiger Menschen halten?

Liebe Schwestern und Brüder, unser heutiger Predigttext aus dem Johannesevangelium vom Jünger namens Thomas kann uns in solch grundsätzlichem Hinterfragen unseres Glaubens eine wichtige Hilfe sein. Denn in diesem Thomas begegnet uns der moderne Mensch schlechthin, auch wenn er vor 2000 Jahren gelebt hat. Thomas kann der Botschaft von der Überwindung des Todes durch die Auferstehung Jesu Christi einfach keinen Glauben schenken. Was ihm gesagt wird, reicht ihm nicht; er will sehen, und mehr noch, er will handgreifliche Beweise.

Denn in Händen halten kann er, wie wir alle nur, was gegen den Glauben spricht. Die Vergänglichkeit und Endlichkeit dieser Welt und unseres Lebens. Krankheiten, Kriege, Flüchtlingselend, Katastrophen im Weltmaßstab wie im privaten Bereich lassen tagtäglich erleben und miterleben, dass keineswegs der Tod verschlungen ist vom Sieg des Lebens, sondern dass, beweisbar und belegbar, der Tod das Leben verschlingt. Stück für Stück und unaufhaltsam. Thomas ist Realist, er verschließt die Augen nicht vor dieser Wirklichkeit. Er sieht die Welt, wie sie ist. Und aus dieser Sicht formuliert er seine Bedingungen für den Glauben an die Auferstehung: Sehen und mit eigenen Händen fühlen.

Viele von uns haben im Kindergottesdienst diesen Jünger Jesu als den „ungläubigen Thomas“ kennen gelernt. Und haben damit eingeimpft bekommen, dass Glaube und Zweifel grundsätzlich nicht zusammengehören können, dass Zweifel etwas Ungutes, ja antikirchliches sei. Solche Wertung hat grausame Tradition in unseren christlichen Kirchen. Wie oft wurden Menschen ausgeschlossen, die ihre Zweifel äußerten, wurde Druck ausgeübt, Ketzerprozesse geführt und Scheiterhaufen errichtet für Menschen, die wie Thomas sagten: Ich kann’s einfach nicht glauben.

Wie sehr sich die Kirche mit solcher Wertung von ihrem Ursprung, ja von ihrem Herrn selbst entfernt hat, zeigt unser Predigttext. Kein Wort der Schelte ist da zu hören, erst recht keine Drohung. Vielmehr eine Frohbotschaft für alle Zweifelnden.

Denn Thomas wird von seinem Herrn, an den er gerne glauben möchte, aber nicht kann – es ist nicht die Rede davon, dass er nicht will! – Thomas wird mit seinem Zweifel nicht alleingelassen, er wird nicht isoliert – nein, ganz im Gegenteil!

Dreifach macht der Predigttext dies deutlich. Es ist nicht Thomas, der sich aufmacht, um endlich Gewissheit zu bekommen, sondern es ist der auferstandene Christus, der sich aufmacht und wortwörtlich dem entgegenkommt, der an seiner Auferstehung zweifelt. Jesus kennt die Glaubensnot seines Jüngers; er weiß um die Anfechtungen, die uns das Glauben schwer machen. Er selber lässt sich finden, selbst wenn wir uns noch gar nicht auf die Suche nach ihm gemacht haben.

Und solches Entgegenkommen, das ist das zweite, bedeutet zugleich die Überwindung der Mauern, die den Zweifler umringen. Nicht nur Thomas, auch die anderen Jüngerinnen und Jünger Jesu lebten ja trotz Ostern weiterhin hinter ver-schlossenen Türen, eingemauert von ihrer Angst, gefangen von ihrer Enttäuschung. Jesus aber geht durch diese Mauern einfach hindurch; sein „Friede sei mit euch!“ schlägt eine Bresche, bahnt den Weg ins Freie und eröffnet neue Horizonte.

Doch das alles geschieht, und das ist das Dritte, nicht einfach über den Kopf des Zweifelnden hinweg. Jesus nimmt Thomas ernst, erfüllt sogar seine Bedingungen: „Reiche deine Hand und lege sie in meine Seite!“ In diesem Moment wäre Thomas, der „Weise aus dem Abendland“, dieser unglaublich selbstbewusste und fordernde Zweifler, eigentlich am Ziel. Doch Thomas folgt Jesu Einladung nicht. Das Berühren der Wunden ist plötzlich nicht mehr wichtig für ihn. Das Wort des lebendigen Gottes hat alles verändert. Der ungläubige Thomas wird zum Bekenner: „Mein Herr und mein Gott!“ Er bekennt und glaubt, und sucht nicht mehr nach historischen Belegen für die Auferstehung; Grabtücher, Splitter, Nägel – plötzlich alles ohne Belang! Eine neue Wirklichkeit ist angebrochen, er hat für sich den Raum, in dem allein die Kategorien des Verstandes gelten, hinter sich gelassen.

Was aber war geschehen mit Thomas, der sich der Berechtigung seines Zweifels doch so sicher war? Der gekreuzigte Jesus was Thomas begegnet. Und in dieser Begegnung wurde ihm klar, dass der Gekreuzigte der Auferstandene ist. Und eben
darauf kommt alles an: Der Gekreuzigte und der Auferstandene sind ein und derselbe; sie gehören nicht verschiedenen Welten oder Wirklichkeiten an. Wer den Auferstandenen dort sucht, wo keine Wunden, keine Verletzungen, kein Leiden ist, der wird ihn nie und nimmer finden.

Denn die Botschaft von der Auferstehung will nicht hineinführen in sonnige Ecken und Nischen des Lebens, in denen der raue Wind der Wirklichkeit dieser Welt nicht weht, in die wir uns hineinflüchten könnten wie in eine Traumwelt –

Nein, gerade da, wo das Leid am größten ist, wo Trauer endlos scheint, wo Hoffnungslosigkeit schier unbesiegbar ist, wo Mauern der Trostlosigkeit und des Zweifels uns umgeben, gerade da ist der Ort, wo der Auferstandene als der Gekreuzigte uns begegnet. Als der nämlich, der „um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen ist. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ So hatte es Jesaja verheißen, und mit der Zusage „Friede sei mit euch!“ tritt Jesus nun zu Thomas und zeigt ihm die Wunden, die ihm geschlagen wurden.

Zum Glauben an Jesus als seinen „Herrn und Gott“ kommt Thomas also gerade da, wo er mit dem Leid dieser Welt konfrontiert wird. Da geht ihm auf, dass es Auferstehung nicht am Tod vorbei gibt, sondern nur durch den Tod hindurch. Da geht ihm auf, dass die Osterbotschaft nicht in erster Linie denen gilt, die unbeschwert durchs Leben schlendern, sondern denen, die mühselig und beladen sind. Ja, da geht ihm auf, dass alle Endlichkeit dieser Welt und alle Tode, die wir zu sterben haben, keine Gegenbeweise sind gegen den Sieg Jesu über den Tod. Und damit ist auch klar, was gemeint ist mit der Verheißung, „dass selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Denn die, die glauben, sind nicht die Träumer und Spinner und psychisch Labilen, auf die man verächtlich herabsehen könnte, sondern das sind die, die endlich frei geworden sind von der viel zu kurz greifenden Suche nach Beweisbarem und Messbarem. Das sind die, deren Perspektive weiter geht als bis zum Tod, das sind die, die gelernt haben damit zu rechnen, dass in den Dimensionen von Raum und Zeit längst nicht alles zu begreifen ist, was das Leben ausmacht. Glaube rechnet fest
damit, dass in Jesu Kommen in unsere Welt das Ewige im Jetzt, die Unendlichkeit in der Vergänglichkeit erschienen ist und die Grenzen dazwischen so durchlässig geworden sind, wie es Thomas mit dem Kommen Jesu durch die verschlossene Türe erlebt hat.

Solcher Glaube aber entsteht aus nichts anderem als aus dem Wort Gottes. Dem lebendigen Wort, wie es weitergesagt wird von den Jüngerinnen und Jüngern Jesu durch die Zeiten. Auf die Predigt dieses Wortes kommt alles an, und nichts Sichtbares, Greifbares ist dafür vonnöten. Das ist die Botschaft der Erzählung vom alles andere als ungläubigen Thomas.

Was aber für den Glauben an Jesus Christus gilt, gilt ebenso für die Gemeinschaft derer, die diesen Glauben leben und weitersagen! Das Äußere, das Greifbare, die Strukturen der Kirche also sind weithin belanglos. Das mögliche Vergehen einer bestimmten Gestalt von Kirche ist in keiner Weise ein Zeichen von Krise oder erst recht nicht von Realitätsverlust und Verdrängung unangenehmer Entwicklungen, sondern theologisch gesehen genau das Gegenteil.

Die Bereitschaft, die äußere Gestalt von Kirche und Gemeinde immer wieder zu verändern ist die Konsequenz aus der Erkenntnis, dass alles, wirklich alles darauf ankommt, dem Weitersagen der frohen Botschaft einen angemessenen Raum zu schaffen und die Bedingungen für die Verkündigung des Evangeliums für die Menschen je nach ihrer Zeit und je nach ihren Erfordernissen neu auszurichten.

Darum gilt: Eine Kirche, die über lange Zeit sich nicht verändert, die steht in der Gefahr, zum Museum zu werden und zu sterben. Und auch unser persönlicher Glaube kann und braucht heute nicht mehr derselbe zu sein wie vor Jahren. Für eine Gemeinde gilt: Zweifelnde und Suchende dürfen nicht isoliert und hinausgedrängt werden. Gerade sie sind eingeladen, zu erleben, wie um Jesu Christi willen die engen Mauern ihrer Vorstellungen durchlässig werden und sie befreit werden zu einer neuen Sicht des Lebens, des Sterbens und der Ewigkeit, die Gott uns Menschen verheißen hat. Und das gleiche gilt für jeden einzelnen von uns; wir brauchen Zweifel und Fragen nicht zu fürchten, denn sie sind es, die unseren Glauben reifer machen und uns hinführen in die Begegnung mit dem lebendigen Christus. Nur so können wir erleben, dass Christus selber die Mauern unserer Ängstlichkeit und Zweifel sprengt und mit uns ist alle Tage, bis an der Welt Ende.

Wo wir das erleben, können wir wie Thomas einstimmen in das lebenswendende und zukunftsschenkende Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“ Amen.

Pfr. Dr. Eberhard Kenntner

Predigt: Karfreitag 2015

Karfreitag, 3.4.2015

Lukas 23, 33-49

33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.
34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.
35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.
36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig
37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!
38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!
40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?
41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!
43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei.
46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!
48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.
49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Menschen unter dem Kreuz – Lukas stellt jeden einzelnen dar – die einen nahe und unmittelbar am Geschehen beteiligt,
die anderen etwas weiter entfernt.

Neugierige, Zuschauer – und in sicherer Distanz,
die, die zu ihm gehörten, die sicherlich nicht unbeteiligt,
aber aus sicherer Entfernung das Geschehen verfolgen – aus Angst oder auch weil sie es nicht ertragen können.
Da sind die Spötter, die jüdischen Ratsherren und die Soldaten Spott ist ihre Art, sich die Dinge vom Leib zu halten, sich selbst und ihre Ansichten nicht mehr in Frage stellen zu lassen.
Die jüdischen Ratsherren warten ja auf den Messias – und wie sie warten, brennend, sehnsüchtig. Aber Jesus passt nicht zu ihren Erwartungen. Wenn er wirklich der Messias ist, dann muss er es spätestens jetzt unter Beweis stellen.
Aber eigentlich sind sie längst mit ihm fertig.
Die römischen Soldaten – sie tun nur ihre Pflicht – einer muss es ja tun.
Dass sie seine Kleider verlosen, noch bevor er gestorben ist,
ist so üblich – ein kleines Zubrot bei dem ansonsten ungeliebten Geschäft.
Sie wundern sich nur, über die Aufschrift am Kreuz.
„König der Juden“ Pilatus hatte das veranlasst. Was für ein lächerlicher König, der sich so demütigen lässt.

Wo ist seine königliche Macht? Soll er sie doch unter Beweis stellen. Ihr Spott und ihre Häme sind ihm sicher. Und einer von den Soldaten findet eine besondere Erwähnung – allerdings erst am Ende der Erzählung:

Der Hauptmann.

Als er die Geschehnisse sah, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch!

Etwas spät die Einsicht, möchten wir ihm zurufen, jetzt, wo Jesus tot ist. Und sag mal: Wie kannst du angesichts dieser schrecklichen Ereignisse Gott preisen.

Als der Hauptmann das Geschehene sah – ja was hat er denn gesehen und wie sah es aus seiner Perspektive aus, dass er am Ende unter dem Kreuz steht und tief berührt ist.

Er hatte seinen Job gemacht. Vielleicht hatte er auch mit um die Kleider gelost und sich mit seinem Spott nicht zurück gehalten.

Er kennt den ganzen Ablauf, hat schon oft daran teilgenommen, aber er spürt: irgendetwas ist anders dieses Mal – nein, nicht irgendetwas, sondern der, der da gekreuzigt wird, der ist anders.

Schon der Prozess war anderes verlaufen – er hat sich nicht gewehrt, nicht verteidigt, nicht auf seine Peiniger geschimpft. Und auch jetzt beschimpft und verflucht er seine Henker und Vollstrecker nicht.

Den beißenden Spott erträgt er wortlos. Er setzt ihm nichts entgegen außer – ja außer der Bitte: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Der Hauptmann traut seinen Ohren nicht.

Während dieser Hingerichtete am Kreuz Höllenqualen leidet, bittet er für die um Vergebung, die ihm alles das zufügen.

Sie wissen nicht, was sie tun.

Sie wissen nicht, wer der ist, den sie da so behandeln, verspotten und grauenvoll hinrichten. Sie bemerken nicht, wie sie verstrickt sind in Machenschaften. Sie überblicken nicht, was ihr Tun bewirkt und wer sie vor ihren Karren spannt.

Sie sehen nicht, wie brüchig das System ist, dem sie sich verschrieben haben.

Sie wissen nicht, was sie tun – ist das eine Entschuldigung?

Steht es uns zu, sie dafür anzuklagen?

Wissen wir immer, was wir tun? Können und wollen wir immer die Folgen absehen?

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Auch der Hauptmann hatte es nicht gewusst – und hatte mitgemacht – wie immer. Dieser Gehenkte bittet um Vergebung auch für ihn – und für all die anderen Spötter und Täter, für seine Peiniger und auch für die, die gleichgültig und tatenlos zusehen und nicht eingreifen und für allen ahnungslos vor den Karren Gespannten.Der Hauptmann staunt. Vergebung – das ist ihm fremd. Sonst wird er in seinem Job immer nur zur Verantwortung gezogen, muss seinen Kopf hinhalten, wenn er oder andere etwas falsch gemacht haben – auch aus Unwissenheit.Hier bittet einer um Vergebung für andere – ohne Bedingung – nicht einmal nach Reue oder Einsicht fragt er.

Ist das die Feindesliebe, von der er immer sprach?

Er hält sie durch bis zur letzten Konsequenz – bis zur Bitte um Vergebung für seine Henker? Ist das seine Art, der Feindschaft, dem Hass und dem Spott zu begegnen und sie zu überwinden

Lied: Misericordias domini

Dann bekommt der Hauptmann das Gespräch zwischen Jesus und den Verbrechern rechts und links mit. Unglaublich, was er da hört. Jesus hätte allen Grund, sich von diesen beiden Schurken zu distanzieren. Der eine spottet – genauso wie alle anderen. Man hätte nichts anderes von ihm erwartet.

Aber der Zweite verwundert den Hauptmann.

Sollte der seine Schuld eingesehen haben?

Ich hänge zu Recht hier, sagt er, aber dieser, der in der Mitte hängt, ist unschuldig.

Und anders als sein Kumpane auf der anderen Seite bittet er nicht darum, dass Jesus sie aus der Situation heraus haut. Er soll nicht die Strafe für ihn abwenden, aber er bittet ihn: Denk an mich in deinem Reich. Und in dieser Bitte steckt die Erkenntnis, ja das Bekenntnis: Du bist der Messias, der Einzige, der meinem verwirkten Leben eine Hoffnung geben kann – selbst jetzt noch. Denk an mich!

Vielleicht ahnt er es ja auch nur. Greift danach wie nach einem letzten Strohhalm. Trotzdem – Jesus nimmt diesem Verbrecher in letzter Sekunde seine Umkehr ab. Er nagelt ihn nicht fest auf das, was er getan hat, auf sein verwirktes Leben, seine Schuld und sein Verbrechen.

“Du darfst umkehren und du wirst gerettet werden – heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.”

Jesus vertröstet ihn nicht, nicht irgendwann,nicht vielleicht, nein: heute, jetzt, mit mir! “Wenn du dich an mich hältst, darfst du deine Schuld loswerden. Sie trennt dich nicht mehr von Gott. Du darfst in seiner Nähe, im Paradies sein.” Er handelt so, wie er es immer gepredigt hatte: Kehrt um, Umkehr ist möglich, jederzeit, selbst noch in letzter Sekunde, im Sterben, da, wo es keinen Ausweg mehr zu geben scheint?

Ein bisschen ist der 2. Verbrecher ja auch immer ein Ärgernis.

Das haben wir gern, sich sein ganzes Leben um nichts kümmern und dann in letzter Sekunde fromm werden.

Ja, sagt Jesus, das haben wir gern, ich und mein Vater, darüber freuen wir uns, dass er doch noch zur Umkehr gekommen ist. Selbst leidend am Kreuz, selbst in seinen letzten Lebenszügen, eröffnet Jesus dem Gescheiterten noch einen neuen Weg, eine Perspektive, die die scheinbar undurchdringliche Wand des Todes durchbricht.
Umkehr ist möglich, geht es dem Hauptmann durch den Kopf.

Lied: Jesus remember me

Dann erlebt der Hauptmann mit, wie Jesus stirbt, nicht schreiend, auf seine Henker fluchend oder vielleicht sogar auf Gott, der ihm dies alles zumutet.
Er stirbt mit einem Ausdruck tiefen Vertrauens – “Vater in deine Hände lege ich meinen Geist!”

Am Ende, da wo keine Hoffnung mehr ist, da, wo nur noch der Tod wartet, sagt dieser Sterbende: Dir, Gott, vertrau ich mich an, bei dir weiß ich mich selbst im Leiden und im Tod, selbst in diesem schrecklichen Geschehen aufgehoben.
Wenn ich doch mit einem solchen Vertrauen sterben könnte, seufzt der Hauptmann. Wenn ich mich doch so vertrauensvoll einem Gott anvertrauen könnte, auch dann, wenn es dunkel um mich wird, wenn Leiden, Schmerzen oder Unglück über mich herein brechen.

Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.

Nachdenklich steht er unter dem Kreuz.
Nachdenklich über das, was er gerade erlebt hat.
Jesu Bitte um Vergebung für seine Peiniger, sein Versprechen an den Mitgekreuzigten, sein Vertrauen auf Gott – alles das bewegt den Hauptmann tief.

So stirbt kein Verbrecher!

So stirbt nur ein Gerechter, einer der schuldlos ist, denkt er und bekennt:

Wahrhaft, dieser Mensch war ein Gerechter. Noch sterbend hat er mich verwandelt. Seine Vergebung, seine Ermöglichung von Umkehr – das gilt auch mir. Es ist nicht zu spät. Das hatte er dort unter dem Kreuz gespürt. Und das macht ihn so froh, dass er angesichts dieses grausamen Todes Gott preisen kann – dafür, dass er ihn berührt hat, dafür, dass er ihm die Augen geöffnet hat, dafür dass er ihn verwandelt hat.

Lied: In deine Hände, Vater

Menschen unter dem Kreuz.

Lukas beschreibt sie sehr genau. Ihm ist wichtig: Hier – unter dem Kreuz – gibt es keine distanzierte Neutralität, kein unberührtes Zuschauen.
Selbst die, die als unberührte Zuschauer gekommen waren, gehen verändert fort. Sie können sich dem Geschehen nicht entziehen.So wie wir uns manchmal den bedrückenden Nachrichten nicht entziehen können und betroffen den Fernseher nach den Nachrichten ausschalten und keine Worte mehr haben, weil Dinge uns erschüttern und berühren und unsere Welt in Frage stellen.

Freilich viel zu oft bleiben wir auch nur distanzierte Zuschauer, lassen die Dinge nicht an uns heran, halten sie uns mit Erklärungen, Schuldzuweisungen und zweifelhaften Beruhigungen vom Leibe, abgestumpft von der Fülle schrecklicher Bilder und furchtbarer Nachrichten, die uns in unsere Wohnzimmer kommen.
Die Zuschauer unter dem Kreuz bleiben nicht unberührt. Sie merken: Das was hier geschieht, das hat auch etwas mit mir zu tun. Sie lassen sich berühren und ihre Welt in Frage stellen. Sie schlagen sich an die Brust und gehen verändert fort.

Menschen unter dem Kreuz.

Auch wir stellen uns Jahr für Jahr wieder unter das Kreuz, wenn wir diese Geschichten hören und bedenken, wenn wir Zeugen werden des Todes Jesu. Lassen wir uns noch berühren? Werden wir von Zuschauern zu Beteiligten?

Genau das will Lukas.

Er will uns hinein holen in dieses Geschehen, will, dass wir darin unseren Platz finden, mit unseren Zweifeln, unseren Fragen und Hoffnungen – und auch mit unserer Schuld. Mal neben dem Hauptmann, mal neben dem Verbrecher, mal bei denen, die ängstlich die Dinge von Ferne verfolgen. Wir sollen zu Beteiligten werden und erkennen: Das, was hier geschieht, das hat er für mich getan! Und am Ende wie der Hauptmann staunend bekennen:”Wahrhaft, dieser Mensch war ein Gerechter. In ihm begegnet mir Gottes Liebe und seine Vergebung.”

Gebet: Vater Unser

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Lied: Eines wünsch ich mir vor allem andern

Pfarrerin Gudrun Schlösser

Predigt: Osternacht / Ostern (2015)

Osternacht/Ostern 5.4.15

Christi Auferstehung ist auch unsere Auferstehung

19Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden

I. Korinther 15, 19-22

Liebe Schwestern und Brüder!

Für uns Christen ist heute der wichtigste Festtag im ganzen Kirchenjahr, und dieser Gottesdienst ist DER zentrale Gottesdienst überhaupt. Wir feiern das Osterfest. Wir wollen uns miteinander freuen und laut darüber jubeln, dass Jesus Christus, der nach blutigem Kreuzweg am Hinrichtungsort Golgatha vor den Toren Jerusalems gehenkt wurde, nicht im Grabe geblieben ist. Er ist am dritten Tage, am Ostermorgen auferstanden von den Toten, so wie wir es Sonntag für Sonntag im Glaubensbekenntnis bekennen.

Unser Predigttext ist daher direkt an uns gerichtet. Denn der Apostel Paulus spricht in seinem Brief, der etwa zwölf Jahre nach den Ereignissen in Jerusalem geschrieben wurde, die Gemeinde in Korinth als eine Gemeinde an, in der das Bekenntnis der Auferstehung Jesu Christi fraglos Gültigkeit hat.

„Er ist auferstanden von den Toten“ das war für die Christen in der Hafenstadt Korinth und das ist auch für uns Christen hier in Rheinbach das Fundament unseres Glaubens und Christseins, als Einzelne wie als Gemeinde. Und damit ist auch das Kernstück des Evangeliums, das Zentrum der Botschaft des neuen Testamentes, der Osterglaube nämlich, auch bei uns vorhanden.

Doch, es mag uns überraschen, das ist dem Apostel Paulus nicht genug! Er hakt noch einmal nach, ja, er spürt einen kritischen Punkt auf im scheinbar so intakten Osterglauben der Gemeinde. „Was wäre denn“, so fragt er, was
wäre, wenn damit alles gesagt wäre, dass Christus damals auferstanden ist?“ Es würde bedeuten, so macht Paulus klar, dass die Auferstehung ein Ereignis der Vergangenheit wäre; Ostern wäre der – sicherlich glanzvolle – Abschluss der Geschichte des Jesus von Nazareth, irgendwann vor 2000 Jahren, mehr nicht.

Immerhin würde das doch bedeuten, dass wir an dem auferstandenen Jesus ein großes Vorbild hätten, ein Vorbild der Güte und Menschenfreundlichkeit, der Fürsorge für andere und Hoffnung für sich selbst. Wir hätten in ihm jemanden, zu dem wir aufschauen könnten, dem wir nacheifern und von dem wir uns Ideen ausborgen könnten. Wir könnten von ihm lernen, dass man auf dem Weg der Nächstenliebe nicht immer nur der Dumme oder Unterlegene ist. Wir könnten begeistert im Sinne Jesu handeln, die Sache Jesu weitertreiben, solidarisch für die Schwachen und Ausgestoßenen eintreten; ja, wir könnten im Gedenken an die Auferstehung Jesu für mehr Lebensqualität in dieser Welt eintreten, wir brauchten uns nicht abzufinden mit dem, was ist und nicht alles beim Alten zu belassen.

Liebe Schwestern und Brüder! Ist das als Botschaft von Ostern nicht genug? Der Apostel Paulus sagt klipp und klar: Nein, das ist nicht nur nicht genug, sondern da fehlt das Entscheidende! Wenn wir die Auferstehung Jesu Christi nur so glauben, dass sie uns Hoffnung und Ansporn für dieses Leben gibt, dann, so sagt er, sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Die elendesten unter allen Menschen, weil wir einer Illusion aufgesessen wären, weil wir uns mit einem Glauben getröstet hätten, der zu wenig wäre, um hoffnungsvoll zu leben und in Zuversicht darauf auch sterben zu können.

Denn wenn die Auferstehung Jesu Christi nur ein Ereignis der Vergangenheit wäre, das uns lediglich Impulse zur Gestaltung der Welt und unseres Lebens gäbe, dann hätte ja nach wie vor der Tod das letzte Wort über uns. Dann wäre mit dem Tod für uns alles aus, dann würde auch unser Tun und Planen und Gestalten seinen Sinn verlieren und unweigerlich im Schlund der Vergänglichkeit versinken.

Ein solches Ostern, das nur die Auferstehung Jesu Christi feierte, wäre also keine Antwort auf die Finsternisse und Nöte, Ängste und Hoffnungslosigkeiten dieser Welt und unseres Lebens. „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ Das, liebe Schwestern und Brüder, ist also das Entscheidende an der christlichen Osterbotschaft: Nicht, dass Christus auferstanden ist, nicht dass der Tod IHN nicht halten konnte,
sondern dass dieses Geschehen etwas mit UNS zu tun hat, dass in der Auferstehung Jesu Christi etwas passiert ist, was uns und unser Leben betrifft, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Jesu Auferstehung und unserer Zukunft.

„Christus ist auferstanden als Erstling unter denen, die entschlafen sind“, sagt Paulus, und das heißt: Die Auferstehung Jesu ist eben nicht ein in sich abgeschlossenes Ereignis der Vergangenheit, nicht das Ende einer Geschichte, sondern der Anfang! Da kommt noch etwas nach, dem Ersten, der nicht im Tode blieb, werden Zweite und Dritte und unendlich viele weitere folgen. Das ist das Entscheidende an der Osterbotschaft des Evangeliums.

So, wie mit der Erstlingsfrucht, also dem ersten Apfel, der an einem Baum reif wird, der ersten Erdbeere eines Erdbeerfeldes, der ersten Zuckerrübe oder Maispflanze bereits die ganze nun kommende Ernte angezeigt ist, so ist in Christi Auferstehung, in seiner Auferweckung durch Gott etwas offenbar geworden von dem, was Gott mit der ganzen Menschheit vorhat: Nämlich Gottes neue Schöpfung hat da begonnen.

„Christus ist auferstanden als Erstling unter denen die entschlafen sind“ heißt also: An Ostern hat Gott damit den Anfang gemacht, seine Verheißung einzulösen, dass er seine Schöpfung, seine Menschen, seiner Hände Werk nicht für alle Zeit in die Gottesferne abdriften lässt, dass er seine Menschheit nicht der Herrschaft der Vergänglichkeit und des Todes überlassen wird. Der Tod ist aus dieser Perspektive nur noch ein Schlaf. „Der Erstling unter denen die entschlafen sind.“

Ostern ist so der Beginn einer ganz neuen Geschichte Gottes mit uns Menschen, der Anfang eines neuen Bundes, von dem das Neue Testament erzählt – und Testament heißt ja nichts anderes als Bund. Eine neue Zukunft hat da begonnen, die die ganze Welt und auch unser aller Leben umgreift und zugleich weit darüber hinausgeht. In der Auferstehung Jesu Christi am Ostermorgen, in jenem Anfang, den der Apostel Paulus mit der „Erstlingsfrucht” vergleicht, ist unsere ganze Zukunft bereits mit eingeschlossen. In Christi Auferstehung ist auch der Anfang unserer Auferstehung, unseres Nicht-im-Tode-Bleibens geschehen.

Das, liebe Schwestern und Brüder, ist der eigentliche Grund, warum wir Ostern feiern: Weil uns durch Jesus Christus ein Weg eröffnet ist, der nicht mehr am Lebensende in eine Sackgasse führt, der nicht in Dunkel und Tod, sondern im Licht und ewigen Leben bei Gott endet. Ostern bedeutet nicht nur Auferstehung und Leben für Jesus Christus, sondern auch für uns. Das ist die Osterbotschaft des Apostels Paulus für die Gemeinde in der Hafenstadt Korinth und für uns hier in Rheinbach.

Doch wo wird das greifbar für uns, die wir doch nach wie vor in einer Welt leben, die von Finsternissen, Kriegen, Machtstreben und auch von der Macht der Vergänglichkeit und des Todes beherrscht wird? Wo können wir uns vergewissern, dass wir nicht mehr die elendesten unter allen Menschen sein müssen, weil wir mitgemeint sind bei der Verheißung der Auferstehung?

Paulus sagt, dass alle, die in Christus sind, lebendig gemacht werden. „In Christus sein“ aber bedeutet, unter seiner Herrschaft stehen, ihm gehören, sich ihm unterstellen. Und das geschieht, ganz greifbar und konkret in den Sakramenten von Taufe und Abendmahl. In der Taufe werden wir Christi Eigentum, werden wir zu einem Glied am Leibe Christi, also untrennbar mit ihm verbunden, und zugleich dadurch aufgerufen, ihm nachzufolgen auf den Wegen des Friedens, der Barmherzigkeit und des Lebens.

Und im Abendmahl dürfen wir uns in dieser Zusage aus der Taufe immer wieder stärken und vergewissern lassen, dass wir „in Christus sind“, dass er uns seine Gemeinschaft schenkt und uns vergibt, wenn wir wieder einmal vom Wege abgekommen sind. Wer aber Gemeinschaft hat mit dem auferstanden Christus, der hat damit auch Anteil an der Verheißung der Auferstehung und des ewigen Lebens. Vorgeschmack auf das Himmelreich nennt der Apostel Paulus das Abendmahl daher an anderer Stelle.

Wenn wir daher am Ostermorgen uns ausdrücklich an unser Getauftsein erinnern und (auch Kinder taufen) miteinander in Jesu Namen das Abendmahl feiern, dann ist das nicht etwas, was wir in diesem Gottesdienst auch tun, sondern dann ist das unsere eigentliche Osterfeier, in der uns zugesagt wird:

In der Auferstehung Jesu Christi bist auch du mitgemeint, auch deine Zukunft über den Tod hinaus hat an Ostern begonnen, Gottes neue Schöpfung betrifft auch dich, du bist schon ein Teil von ihr geworden. Ostern feiern heißt, dass jede und jeder von uns als für ihn gültig annehmen und nachsprechen darf, was der Apostel Paulus vor 2000 Jahren der Gemeinde in Korinth einprägte: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“

Darum also haben wir allen Grund, fröhlich Ostern zu feiern: Wir alle werden einmal in der Nachfolge Christi zu Gottes großer Ernte des Lebens dazugehören! Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gnade! Amen.

Pfr. Dr. Eberhard Kenntner

Predigt: Palmsonntag (2015)

Gnadenkirche Rheinbach / Versöhnungskapelle Merzbach
Palmsonntag 30.3.2015

Johannes 17 – Gott auf den Kreuzwegen mit uns

1So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; 2denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. 5Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
Johannes 17, 1-5

Liebe Schwestern und Brüder,

das Evangelium vom Palmsonntag vom Einzug Jesu in Jerusalem mochte ich als Kind ganz besonders gern. Erinnerte es mich doch an den Beginn der Adventszeit, die ja auch mit dem Einzug Jesu in Jerusalem beginnt. In den Menschen, die mit Palmwedeln die Straßen schmückten und Jesus einen jubelnden Empfang bereiteten, konnte ich mich selbst mit allen meinen kindlichen Wünschen und Hoffnungen für das Christfest wiederfinden. Am ersten Advent war für mich schon die ganze Vorfreude auf den Heiligen Abend mit eingeschlossen, obwohl ja noch vier Wochen Warten angesagt war. Doch durch den jubelnden Einzug Jesu in Jerusalem hatten die langen Adventswochen schon ein helles Vorzeichen, trotz aller noch drohenden Bußpredigten Johannes des Täufers.

Und das gleiche Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag schlug für mich wiederum eine Brücke, diesmal über die düstere Karwoche hinweg zum Licht des Ostermorgens. Als Pfarrerskind war für mich der Besuch der täglichen Passionsandachten Pflicht. Die grausamen Einzelheiten des Kreuzweges Jesu, der Verrat und die Verleugnung durch die eigenen Jünger, die grenzenlose Einsamkeit beim Ringen mit seinem Geschick im Garten Gethsemane und später zwischen den mitverurteilten Verbrechern am Kreuz – all das war für mich nur erträglich, weil der Einzug Jesu und die grünen Palmzweige Freude, Leben, und einen guten Ausgang des Ganzen ankündigten. Palmsonntag und Ostern – diese beiden Sonntage waren für mich wichtig, die Tage dazwischen, so meinte ich damals, hätten ruhig entfallen können.

Erst sehr viel später, eigentlich erst im Studium ging mir auf, dass ich sowohl im Blick auf den Ernst der Adventszeit als auch im Blick auf das gesamte Evangelium von Jesus Christus dabei war, den Kern der frohen Botschaft zu verlieren, wenn ich die dunklen Tage der Karwoche ausklammerte. Von diesem Kern des Evangeliums spricht unser heutiger Predigttext aus dem Johannesevangelium und will uns helfen, den Sinn der Karwoche neu zu verstehen.

„Vater die Stunde ist da.“ In nüchterner Klarheit scheint Jesus in den Abschiedsreden des Johannesevangeliums einen Schlussstrich zu ziehen unter die Zeit seines irdischen Wirkens, also unter sein Predigen, Heilen, Befreien von Schuld vor Menschen und vor Gott. Alle wunderbaren Trostgeschichten, die Jesus als Herrn über die Naturgewalten, über Hunger und Krankheiten, ja sogar über den Tod offenbarten, sie zeigten Jesus als menschgewordenen Gottessohn, in dessen Wirken göttliche Macht und göttliche Kraft auf Erden sichtbar wurden. Jesus selbst fasst all dies so zusammen: Vater, ich habe dich verherrlicht auf Erden.

Und so erlebten es damals die Menschen ja auch. In der Stillung des Seesturms, der Speisung der 5000, der Heilung des Blindgeborenen, der Auferweckung des Lazarus, in all dem verherrlichte Jesus Gott auf Erden. Gottes Macht, Gottes Herrlichkeit war da am Werke.

Herrlichkeit, griechisch DOXA darunter stellte man sich den Abglanz überirdischen Lichtes vor, den wir sterblichen Menschen nur in Ansätzen erfassen können. Sprengt die Herrlichkeit Gottes doch alle Dimensionen, die unser kleiner Verstand fassen kann. In den Heilungswundern, in Jesu vollmächtiger Predigt, da erscheint eine Andeutung dessen, was Herrlichkeit ist. Das, was Johannes hier erzählt, hat man in der Kunstgeschichte versucht, mit dem Heiligenschein darzustellen. Da ist ein Mensch, aber da ist auch unfassbar mehr. DOXA eben, Herrlichkeit Gottes.

Alles das hatten Jesu Jünger in den Wanderjahren mit ihrem Meister vielfach erleben dürfen. Gottes Herrlichkeit auf Erden. Der Glanz der Engel auf dem Hirtenfeld in Bethlehem hatte den Anfang gemacht. Doch nun sagt Jesus selbst überdeutlich: „Vater die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche.“

Das hört sich sehr klar nach Ende an, nach Abbruch einer so wichtigen Zeit. „Vater die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn.“ Der Glanz des Überirdischen, der helle Schein des ewigen Lebens wird mit Jesus zurück in den Himmel gehen, die Erde bleibt zurück im Dunkel der Vergänglichkeit und gefangen in der Nacht des Todes. Vater, verherrliche deinen Sohn. Da der Himmel, hier die Erde, da Freude, Erlösung und Leben in Fülle, hier Not und Schuld und Leben am Rande des Erträglichen.

Scheinbar kein Palmsonntagstext, der Mut und Zuversicht verbreiten kann. Doch nur scheinbar. Denn Jesus hat ja gar nicht vor, den Weg, der auf dem Hirtenfeld in Bethlehem begann, abzubrechen und zu verlassen. Jesus hat nicht vor, vor dem Dunkel der Passion, vor dem Leiden und Sterben zu fliehen und sich schnell in himmlische Sicherheit zu bringen.

Mehr noch: Jesus weiß, was auf ihn zukommt: Verrat durch die eigenen Jünger, Folter, grausame Hinrichtung durch den Tod am Kreuz. Und im vollen Wissen um dies alles bittet er: „Vater, verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche; denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.“

Wenn diese Bitte Jesu um Verherrlichung kein Wunsch nach Flucht vor dem Leiden ist, dann enthält sie eine atemberaubende Botschaft, die alle unsere Maßstäbe vollkommen auf den Kopf stellt. Denn wer am Beginn des Kreuzweges bittet: „Vater verherrliche mich“ und dabei bewusst bereit ist, diesen Kreuzweg auch zu gehen, der hebt damit die bisherige Trennung zwischen Leiden und Herrlichkeit, zwischen Irdischem und Himmlischem auf. Wenn der Kreuzweg Teil des Weges Jesu zur Verherrlichung ist, dann ist doch der tröstliche Schein göttlichen Lichtes gerade da, wo die Not am größten, die Einsamkeit am grausamsten, die Schmerzen am unerträglichsten und der Tod absolut unausweichlich ist.

„Vater verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Der Weg Jesu ans Kreuz ist also nicht der Weg dorthin, wo Gott am fernsten ist, sondern auch, nein gerade auf dem Kreuzweg ist Gott so nahe wie er uns einmal sein wird, wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen.

Die Stationen dieses Kreuzweges zwischen Palmsonntag und Ostermorgen sind also nicht etwas, was wir gut auch streichen können, um schneller ins Licht der Auferstehung zu kommen – nein, mitten im Leiden, auch auf dem Weg zum Kreuz umfängt uns die Herrlichkeit Gottes. Wohl in verborgener Gestalt und so, dass wir sie weder beweisen noch oft auch nur erahnen können. Doch sie ist da, so gewiss Jesus Christus den Kreuzweg ging als Weg seiner Verherrlichung. Ein Weg, der uns den Zugang zu ewigem Leben ermöglicht.

Das ist eine Botschaft, die all unser Begreifen übersteigt und die dennoch wahr ist. In dir ist Freude in allem Leide so versuchen wir gleich im Lied nach der Predigt diese Botschaft nach zu buchstabieren. Eine Botschaft, die es auszubreiten gilt in die dunkelsten Winkel der Herzen und der Häuser unserer Zeit.

Diese Botschaft heißt: Es gibt keinen Bereich unseres Lebens und unserer Welt und unserer Zeit, der außerhalb der DOXA, der göttlichen Herrlichkeit, außerhalb des göttlichen Machtbereichs liegt. Seit Jesus nicht nur in Gottes Namen, sondern als wahrer Mensch und wahrer Gott für uns den Weg ans Kreuz ging, gibt es keinen Kreuzweg, der nicht auch von der Herrlichkeit Gottes umschlossen wäre. Diese Zusage unseres Glaubens war es, die vielen Märtyrern der Kirche die Kraft gab, in Verfolgung nicht den Glauben zu verlieren. Diese Zusage unseres Glaubens war es, die dem Prediger von Buchenwald, auch einem Dietrich Bonhoeffer oder einer Edith Stein die Kraft gab, die nötig war, um in KZ-Haft den Glauben nicht zu verlieren.

Und diese Zusage unseres Glaubens ist es, die wir gerade heute am Palmsonntag 2015 mitnehmen dürfen hinein in die Zeit der Kreuzwege, die vor uns liegen mögen. Und dies gilt im wörtlichen wie übertragenen Sinne: Wer die nächste Bestrahlung vor sich hat, wer gerade einen lieben Menschen verloren hat oder wo ein solcher Verlust bevorsteht, wo die Diagnose unheilbar lautet und die Ärzte keinerlei Zuversicht mehr verbreiten, wo sich die Kinder seit langem nicht mehr gemeldet haben, wo die Pflege des Partners die eigenen Kräfte überfordert, wo beruflich gar nichts mehr zu gehen scheint … überall da ist Jesus Christus, der menschgewordene Gott auch.

Er gibt uns und diese Welt, auf der so viel Schlimmes geschieht, nicht dem Verderben preis. Seine Bitte am Beginn des Kreuzweges: „Vater verherrliche du mich“ macht das deutlich. Er ist kein Schönwettergott, der sich in den Himmel verzieht, wenn es auf Erden ungemütlich wird. Er ist da, wo es am finstersten ist, wo wir ihn darum auch am dringendsten brauchen. Eine tröstliche Zusage, ein Licht in der Finsternis.

Liebe Schwestern und Brüder, wer wie ich als Kind versucht, vom Palmsonntag zum Ostermorgen zu fliegen und die Karwoche mit Gründonnerstag und Karfreitag auszuklammern, dem bleibt dieser Trost des Evangeliums verschlossen. So wie der 23. Psalm nichtssagend wird, wenn man die Verse über das Wandern im finsteren Tag ausklammert, so auch hier. Wirkliche Osterfreude kann nur der erleben und empfinden, der dem Dunkel des Kreuzweges nicht ausgewichen ist. So schenke uns Gott eine gesegnete Karwoche, damit wir in und nach allen Karfreitagen unseres Lebens ein gesegnetes Osterfest erleben. Amen.

Pfr. Dr. Eberhard Kenntner