Regenbogensonntag

1604-Regenbogengottesdienst

Am 17. April 2016 feiern wir wieder Regenbogensonntag um 10.00 Uhr in der Evangelischen Gnadenkirche, Ramershovener Straße.
Das Thema lautet „Bei Gott geborgen für alle Zeit!“
Es wird ein bunter Gottesdienst rund um die Taufe werden. Erwachsene und Kinder werden über die Taufe nachdenken und sich an ihre Taufe erinnern. Die Kinder dürfen ihre Taufkerzen mitbringen. Diese werden im Gottesdienst noch einmal angezündet.
„Regenbogensonntag“ ist ein besonderer Gottesdienst, den wir nun schon zum fünften Mal feiern – bunt und schillernd wie ein Regenbogen – und in dem alle Altersgruppen angesprochen werden.
Anschließend an den Gottesdienst – gegen 12.00 – sind alle zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Anmeldung erbeten.
Das Regenbogenteam freut sich auf eine bunte Gemeinde.

Predigt Karfreitag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Jesus neigte das Haupt und verschied. – Aus! Kerzen aus, Altar abgeräumt, Ende, Aus, Schluss. Jedes Jahr dasselbe. Und jedes Jahr ist es schwer zu ertragen. Karfreitag ist schwer zu ertragen. Karfreitag ist unpopulär. Wäre es nicht leichter, diesen düsteren Tag einfach zu überspringen und schon mal zu Ostern überzugehen.
Aber das konnten die Jüngerinnen und Jünger Jesu auch nicht. Sie mussten Karfreitag ertragen, hilflos, ausgeliefert, aller Hoffnungen beraubt. Warum musste das geschehen? so fragten sie sich. Warum dieser Tod, dieses Scheitern, dieses jähe Ende aller Hoffnungen und Träume? Was hatte Ihr Leben jetzt noch für einen Sinn? Was gab es für sie noch zu erwarten? Dieser Tod macht für sie einfach keinen Sinn. Er macht sie mutlos, sprachlos, lässt sie erstarren. Ihre Sprache haben sie erst langsam nach Ostern wiedergefunden. Erst im Licht der Auferstehung wird das Kreuz für sie überhaupt deutungswürdig. Sonst wäre es einfach das grausame Ende eines Gescheiterten gewesen. – Und genau das müssen Sie zunächst einmal aushalten.
Sie haben Antworten gesucht, Erklärungen für das, was Ihnen so fraglich erschien. Auch Paulus versucht einige Jahre später immer wieder seinen Gemeinden den Tod Jesu zu erklären. Nein, er hat nicht mit der Enttäuschung des Karfreitags zu kämpfen. Für ihn gab es das Kreuz nie ohne die Auferstehung, Karfreitag nie ohne Ostern. Aber ein ohnmächtiger Gott am Kreuz, das war für Juden wie für Griechen eine Zumutung. Für die einen ist der Tod Jesu ein Skandal – Gott am Kreuz, das geht doch nicht – heißt es doch in der Thora: Verflucht ist, wer am Kreuze hängt! – Für die anderen ist er eine Torheit – wie kann man sein Leben nur an so einen Gescheiterten hängen!
Für Paulus aber ist das Kreuz eine Gotteskraft. Sein Glaube ist ohne das Kreuz gar nicht denkbar.

Hören wir Worte aus dem 2. Korintherbrief
17 Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.
18 Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute.
20 Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Lasst euch versöhnen mit Gott!

Das ist die große Einladung, die für Paulus vom Kreuz Jesu Christi ausgeht. Nehmt diese Einladung an und sagt sie weiter. Das ist die eigentliche Aufgabe jedes Predigers, ja eigentlich jedes Christen: Die Versöhnung zu predigen. Das hat Gott uns anvertraut und zugetraut. Und alles kirchliche und gemeindliche Handeln und Reden hat letztlich nur der Verbreitung dieser Einladung zu dienen: Lasst euch versöhnen mit Gott.
Versöhnung, das ist ein großes Wort. Versöhnung, das bedeutet: Da wird etwas wiederhergestellt – eine abgebrochene, abgerissene Beziehung, da macht einer Frieden mit dem anderen und vielleicht auch mit seiner eigenen Vergangenheit. Versöhnung ist dann nötig, wenn etwas zerbrochen ist, aus dem Ruder gelaufen ist, vielleicht auch abgebrochen ist; eine Beziehungen, eine Freundschaft. Wenn einer mit dem anderen fertig ist. Wenn Worte gefallen sind, die verletzt haben und die wir nicht mehr zurück nehmen können.
Manchmal sehne ich mich nach Versöhnung. Aber soll ich den ersten Schritt tun? Was, wenn ich verletzt und zurückgewiesen werde, wenn der alte Streit wieder von vorne anfängt? Versöhnung ist ein schwieriges Geschäft und erfordert Mut – und auch die Bereitschaft, noch einmal genau hinzuschauen, auch auf das eigene Versagen. Zur wirklichen Versöhnung gehört die Konfrontation mit dem, was geschehen ist. Wir müssen die zugefügten Verletzungen voreinander aussprechen, vielleicht um sie erst einmal überhaupt wahrzunehmen, um zu wissen, was wir einander angetan haben. Das ist manchmal schmerzlich und nur schwer auszuhalten. Aber nur dann kann am Ende stehen: Wir fangen gemeinsam neu an.
Was gewesen ist, ist bereinigt. Wenn das gelingt, dann ist das wie eine Befreiung von einer schweren Last, die ich vielleicht über Jahre mit mir herumgeschleppt habe.
Versöhnung ist ein schwieriges Geschäft. Gott bietet uns Versöhnung an. Versöhnung mit Gott – aber warum? Also für mich hätte er das nicht machen müssen, mögen vielleicht manche Zeitgenossen sagen. Versöhnung mit Gott – na so schlimm bin ich nun auch wieder nicht. Klar, man macht mal den ein oder anderen Fehler, aber im Großen und Ganzen bin ich doch ganz o.k. Gott kann doch eigentlich ganz zufrieden mit mir sein. Und wenn nicht, dann muss das kein anderer für mich richten – schon gar nicht am Kreuz. Wär ja noch schöner. Dann muss ich das schon selbst hinkriegen.
Aber ist das nicht eine Illusion. Lügen wir uns da nicht etwas in die Tasche. Wenn wir uns in unserer Welt umschauen, dann müssen wir doch zugeben: Wir leben in einer unversöhnten Welt – und es gibt nichts, was wir so nötig hätten wie Versöhnung. Allein die schrecklichen Ereignisse der letzten Woche führen uns das schmerzlich vor Augen: Terror und Gewalt, Ohnmacht und Ausgeliefertsein, Schuld und Versäumnisse – und immer wieder die große Versuchung, wegzuschauen, sich das Leiden vom Leibe zu halten.
Aber hat das etwas mit unserer Unversöhntheit zu tun? Der Reformator Johannes Calvin hat einmal gesagt: Dass der Mensch wie Gott sein will und dass er immer wieder Götzen schafft, ist die zentrale Sünde, das zentrale Problem.
Es ist unser Eigensinn, der Gott nicht Gott sein lassen will, sondern meint alles selbst im Griff zu haben und sich selbst zum Gott macht. Es ist die Eigenmächtigkeit, die Gottes Willen zu kennen meint und diesen um jeden Preis durchsetzen will, notfalls mit Gewalt. Es ist die Verbohrtheit, die Gottes Reich auf Erden erzwingen will und Gott ins Handwerk pfuschen. Wir neigen dazu, uns selbst und unser Leben zum Maß aller Dinge zu machen und beurteilen, bewerten und benutzen die anderen nach diesem Maß. Wir machen uns selbst immer wieder neue Götzen – sie mögen Erfolg oder Ansehen, Reichtum oder Macht, Ruhe oder Sicherheit heißen – und opfern dann so manches und so manchen, um diesen Götzen zu huldigen.Und wenn einer uns in unserer Eigenmächtigkeit beschneidet, dann antworten wir gerne auch mal mit Gewalt – zumindest in Gedanken oder Worten, bisweilen auch in Taten.
Lasst euch versöhnen mit Gott. Das heißt: Hört auf, mit Gott zu konkurrieren, zu versuchen ihm gleich zu sein, euch selbst oder Dinge zu vergotten. Hinterfragt eure Götzenbilder, richtet euer Leben neu aus. Aber Versöhnung ist ein schwieriges Geschäft. Gott weiß das – und deshalb nimmt er das selbst in die Hand. – Und er macht sich Mühe damit. Das geschieht im Übrigen nicht erst am Kreuz. Es beginnt schon an Weihnachten. Gott kommt selbst zu uns in seinem Sohn Jesus Christus. Er begegnet uns mit seiner Liebe und lädt uns ein, unser Leben neu an seiner Liebe auszurichten. Da, wo sein Sohn Menschen begegnet, da geschieht das, was Paulus beschreibt mit den Worten: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. – da werden Menschen neu, bekommen neue Lebensmöglichkeiten. Da wird Leben neu. Gott nimmt unser Leben an, erlebt und erleidet es in Jesus Christus. Sein Weg der bedingungslosen und konsequenten Liebe bringt ihn schließlich ans Kreuz. In seiner grenzenlosen Liebe gibt sich Gott selbst hin. Er liefert sich allem menschlichen Versagen, all unseren Fehlern, unserer Unfähigkeit und unserer Schuld aus. Er erträgt alles, was Menschen bis heute einander antun – Verrat und Verleugnung, Verurteilung und Verspottung, Gewalt und Hass, Gleichgültigkeit und Feigheit, Härte und Lieblosigkeit.
Am Kreuz leidet Gott selbst. – Und er erträgt es. Er zieht sich nicht raus. Er hält aus bis zuletzt. Deshalb dürfen wir sicher sein: Er ist an der Seite der Leidenden. Er hält mit uns aus. Nein, er rettet nicht aus dem Leiden, reißt nicht einfach heraus, wie wir es manchmal wünschen, aber er bleibt im Leiden an unserer Seite. Gott erträgt das Leiden am Kreuz bis zum Ende. Er sinnt nicht auf Rache. Er fordert nicht Genugtuung. Er zieht die Ohnmacht der Allmacht vor. Lässt sich lieber ans Kreuz schlagen, als andere zu kreuzigen. Opfert sich selbst auf, statt von anderen Opfer zu verlangen. Er rechnet selbst seinen Peinigern ihre Sünden nicht zu, sondern erträgt ihre Vergehen gegen ihn geduldig. Er nimmt all das mit in den Tod, um es durch seinen Tod und seine Auferstehung zu überwinden.
So schafft Gott selbst Versöhnung. Er schafft, was wir nicht schaffen können. Er stellt die zerbrochene Beziehung wieder her, richtet unser Leben neu aus – wenn wir uns einlassen auf seine Einladung: Lass dich versöhnen mit Gott!

Wenn du willst, kann dich von jetzt an nichts mehr von der Liebe Gottes trennen und du wirst frei von Allmachtsfantasien, frei von dem Zwang, dich unsterblich zu machen, frei von selbstgemachten Götzen, denen es zu huldigen gilt, frei vom Geltungsstreben auf Kosten anderer und auch von dem unbarmherzigen Urteilen über andere. Du kannst dir eingestehen und anderen zugestehen, fehlbar und sterblich zu sein. Wer sich versöhnen lässt, wird selbst frei zur Versöhnung. Gott macht den ersten Schritt – und er macht es uns vor. Aber Versöhnung – selbst mit den Feinden, mit den Menschenverachtern, die Angst und Terror verbreiten? Ist das nicht zu viel verlangt? Ja, das ist viel verlangt, vielleicht zu viel für uns. Aber Jesus hat am Kreuz nicht gesagt: Versöhnung mit der ganzen Welt mit ihren Abgründen und Dunkelheiten – das ist zu viel verlangt! Aber er hat auch keine billige Versöhnung gebracht. Kein schlichtes Schwamm drüber. Seine Versöhnung gibt keinem Menschen das Recht zu töten und die Würde anderer zu missachten. Aber sie steht da – als immerwährendes Angebot, das Leben neu auszurichten. Sie nagelt keinen für alle Zeiten fest. Sie mahnt uns in all unserem Tun und Bemühen, die Möglichkeit der Versöhnung und des Friedens nicht aus den Augen zu verlieren, uns für Versöhnung und Frieden einzusetzen. Sie hält die Hoffnung wach, dass nicht Terror und Gewalt das letzte Wort haben, sondern dass am Ende Liebe, Frieden und Versöhnung siegen werden. So wie auch nicht das Kreuz das letzte Wort über das Leben Jesu hatte, sondern die Auferstehung, das neue Leben.
Darum: Halten wir heute den Blick auf unsere unversöhnte Welt aus, vertrauen wir sie dem an, der in Jesus Christus die Welt bereits mit sich versöhnt hat und nehmen wir sein Angebot an:
Lasst euch versöhnen mit Gott. Amen.

Und der Friede Gottes, des höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gudrun Schlösser

Frühstückscafé

Nächsten Donnerstag, am 07.04.2016, findet wieder das monatliche Frühstückscafé für Senioren und Seniorinnen zwischen 65 und 75 Jahren im Gemeindehaus statt! Von 09.00 – 11.00 Uhr sind Sie alle herzlich eingeladen, zusammen zu frühstücken, zusammen zu reden und sich an der Gemeinschaft miteinander zu erfreuen! Wir freuen uns auf Ihr zahlreiches Erscheinen!

Gesprächskreis „Ethik in der Gegenwart“

Leben in der modernen Welt fordert immer wieder grundlegende Entscheidungen von uns: Wie sollen wir verantwortlich leben, was ist „richtig“? Wieviel Freiheit nehmen wir uns, welche Grenzen lassen wir uns von der Gemeinschaft setzen? Wie lässt sich nachvollziehbar begründen, was mich in meinem Verhalten binden darf? Der Sozialethiker Marc Jean Löwenstein und Pfr. Römheld bieten im Frühjahr gemeinsam einen Gesprächskreis an, der diesen ethischen Fragen nachgeht.
Inspirieren lassen wir uns in unserem Gespräch von Wolfgang Huber: Ethik. Die Grundfragen unseres Lebens von der Geburt bis zum Tod. München: Beck 2013, 2. Auflage 2015.
Wir laden zu folgenden Abenden herzlich ein, jeweils 20.00 Uhr im Gemeindehaus Gnadenkirche, Ramershovener Straße 6:
14.04.16 Hat die Familie Zukunft?
28.04.16 Gibt es eine Schwangerschaft auf Probe?
12.05.16 Wollen wir den perfekten Menschen?
19.05.16 Wie wird man ein Weltbürger?
02.06.16 Was ist der Zweck der Wirtschaft?
16.06.16 Dürfen wir alles, was wir können?
30.06.16 Wie viel Verschiedenheit halten wir aus?

Vortrag: „Grenzen der Behandlung am Lebensende“

Wer lebensbedrohlich erkrankt ist, hofft auf die bestmögliche Behandlung, um so schmerzfrei wie möglich die verbleibende Zeit in vertrauter Umgebung zu verbringen. Was machbar – was sinnvoll ist, darüber sprechen am 06. April 2016 um 19.30 Uhr in der ev. Kirche Maria-Magdalena, Sebastianusweg 7, in Swisttal-Heimerzheim, Prof. Dr. Lukas Radbruch und Claudia Wilmers von der Ökumenischen Hospizgruppe e.V. Rheinbach – Meckenheim – Swisttal.
Dass eine Behandlung in einer solchen Lebenslage nicht nur aus medizinischen Maßnahmen bestehen sollte, wissen die beiden Referenten aus jahrelanger Erfahrung. Prof. Dr. Radbruch ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und Direktor der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn. Claudia Wilmers ist – gemeinsam mit Andrea Kleinfeld – Koordinatorin der ambulanten Ökumenischen Hospizgruppe e.V., die Schwerstkranke und Sterbende im häuslichen Umfeld ehrenamtlich betreut.
Im Anschluss findet die Mitgliederversammlung der Ökumenischen Hospizgruppe e.V. Rheinbach-Meckenheim-Swisttal statt. Alle Mitglieder und Interessierte sind
hierzu herzlich eingeladen.

Kleidersammlung für Bethel

Kleidersammlung für Bethel
Kleidersammlung für Bethel

Kleidersammlung für Bethel vom 19. bis 25. April 2016
Abgabestellen

  1. Pfarrhaus / Garage – Ramershovener Straße 18
    täglich 8 – 18 Uhr

  2. Kleiderstube – Schumannstraße 34
    Dienstag 14 – 17 Uhr

Was kann in die Kleidersammlung?

Gut erhaltene Kleidung und Wäsche, Schuhe, Handtaschen, Plüschtiere und Federbetten – jeweils gut verpackt, Schuhe bitte paarwesie bündeln.)

Nicht in die Kleidersammlung gehören:

Lumpen, nasse, stark verschmutzte oder beschädigte Kleidung und Wäsche, Textilreste, abgetragene Schuhe, Einzelschuhe, Gummistiefel, Skischuhe, Klein- und Elektrogeräte.

Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung, v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel.

Predigt vom 13.03.2016 – Judica

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heilige Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Brüder und Schwestern!
Ich kann nicht drängeln. Konnte ich noch nie. In der Schlange, ob am Skilift oder an der Kinokasse, stehe ich immer hinten. Wenn sich eine Türe öffnet und alle auf die Plätze stürmen, gerate ich regelmäßig ins Hintertreffen. Freie Platzwahl ist mir ein Gräuel. Nicht, dass ich nicht gerne einen guten Platz hätte. Aber ich kann es einfach nicht. Deshalb bin ich froh, wenn mein Platz schon mal reserviert ist.

Der Kampf um die besten Plätze ist ein lebenslanges Thema, so scheint mir. Nicht nur im Konzert oder Theater, sondern auch in der Schule, im Beruf, im Sport, bei mancher Feier. Wo sitze ich richtig? Wo stehe ich? Wo positioniere ich mich am geschicktesten? Wo werde ich wahrgenommen, mein Einsatz gesehen und honoriert? Wo ist mein Platz? Vielleicht steckt dahinter ja die Angst, zu kurz zu kommen, übersehen oder gar vergessen zu werden, wenn die besten Plätze verteilt werden.

Ist das die Frage, die die beiden Jünger, Johannes und Jakobus umtreibt? Die beiden gehörten mit zu den ersten Jüngern Jesu. Er hatte sie berufen und sie hatten alles stehen und liegen gelassen und waren ihm gefolgt. Wahrscheinlich gehörten sie mit Petrus zu den engeren Vertrauten Jesu. Diese drei – Johannes, Jakobus und Petrus – durften Jesus auf den Berg begleiten, seine Verklärung erleben und die Stimme aus dem Himmel hören: „Dies ist mein geliebter Sohn!“. Später sind es auch die drei, die Jesus im Garten Getsemane mit sich nimmt.
Jetzt sind sie auf dem Weg nach Jerusalem. Sie merken, dass die Lage sich zuspitzt. Drei Mal schon hatte Jesus angekündigt, dass er leiden, sterben und auferstehen werde. Sie sind verunsichert. Sie wissen nicht, was kommen wird. Wäre es da nicht gut, wenn man einiges schon mal klären und regeln könnte? Immerhin könnte man schon mal fragen, wo man steht, solange Jesus noch bei ihnen ist. Schließlich soll ja aller Einsatz nicht umsonst gewesen sein.
Da nehmen Johannes und Jakobus Jesus beiseite. Voller Vertrauen und ziemlich kühn sprechen sie ihn an: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten. Wir beide möchten in deinem Reich zu deiner Rechten und zu deiner Linken sitzen, ganz nah bei dir, deine rechte und linke Hand.
Diese Plätze gibt es nur einmal. Wenn die erst besetzt sind, sind sie weg. Ganz selbstverständlich gehen sie davon aus, dass es dort, in seinem Reich, dieselbe Hierarchie geben wird wie bei den weltlichen Herrschern.
Ihr wisst gar nicht, was ihr bittet! antwortet Jesus. Wer neben mir in meinem Reich sitzen will, der muss meinen Weg mit mir gehen, der muss bereit sein, den bitteren Kelch des Leidens zu trinken, genauso wie ich. Könnt Ihr das? Völlig überzeugt antworten sie: Klar, das können wir. Natürlich sind wir dazu bereit. Wir sind schon so viele Wege mit dir gegangen, da werden wir auch diesen Weg mit dir gehen.
Ob sie sich später daran erinnern werden – im Garten Getsemane? Jesus bittet sie, mit ihm zu wachen, und sie schlafen dreimal ein. Ob sie sich daran erinnern werden bei der Kreuzigung? Rechts und links von Jesus sind nicht seine Getreuen, sondern zwei Verbrecher, die mit ihm ausharren? Von seinen Freunden keine Spur.
Ich fürchte, Ihr werdet tatsächlich leiden müssen wie ich, sagt Jesus. Sie werden euch verfolgen und anfeinden, aber über diese Plätze, die ihr von mir zugesichert haben wollt, kann ich und will ich nicht bestimmen. Glaubt mir! In meinem Reich hat jeder seinen Platz – ohne Rangordnung – von Gott geschenkt, nicht verdient, nicht hochgedient, sondern einfach so, weil ihr meine Freunde seid. Da könnt ihr sicher sein. Ihr habt euren Platz – das muss euch genügen.

Das Gespräch könnte hier beendet sein, wenn nicht – ja, wenn nicht die anderen zehn Jünger aufmerksam geworden wären. Irgendwie haben sie mitbekommen, was da zwischen Jesus und den beiden läuft. Sie reagieren mit Unmut, mit Unruhe. Was bilden die beiden sich ein? Was nehmen die sich heraus? Die glauben wohl, sie seien etwas Besseres? Insgeheim, hatte vielleicht jeder diesen Wunsch, aber so was spricht man doch nicht aus. So schamlos, ohne Scham, kann man doch nicht bitten. Doch, die beiden haben sich getraut. Darüber sind die anderen verärgert. Das Verhalten der beiden, die Bitte um eine Extrawurst, zerstört von jetzt auf gleich ihre Gemeinschaft. Wenn sie erst einmal anfangen, um die besten Plätze zu buhlen, dann sind sie keine Einheit mehr. Dann kocht jeder sein eigenes Süppchen. So schnell geht das!
Jetzt wird Jesus grundsätzlich: Ihr habt völlig falsche Vorstellungen von meinem Reich. Ihr seht nur, wie es in dieser Welt zugeht. Da gibt es oben und unten und die oben, tun alles, um oben zu bleiben, auch auf Kosten derer, die unten sind. Die, die groß sind, machen die kleinen noch kleiner, um größer dazustehen. Und natürlich sitzen alle lieber oben als unten Natürlich stehen alle lieber auf der Seite der Gewinner, sonnen sich in deren Erfolg, statt sich mit den Verlierern abzugeben.

Bei euch soll es nicht so sein, sagt Jesus, aber – wenn ihr so weiter macht, seid ihr auf dem besten Weg dahin. Bei euch soll es anders sein: Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein. Jesus stellt die Maßstäbe auf den Kopf. Groß ist, wer sich um der anderen willen klein machen kann. Groß ist nicht, wer sich oben seinen Platz sichert und den mit Zähnen und Klauen verteidigt, sondern wer anderen einen Platz im Leben einräumt, wer anderen Platz macht und Raum gibt.
Groß ist nicht, wer laut schreit: Ich brauch jetzt! Das steht mir zu!, sondern wer fragt: Was brauchst du? Groß ist nicht, wer fragt: Wozu könnte der andere mir nützlich sein, sondern wer fragt: Was kann ich für dich tun? So soll es bei euch sein. Ob es ihnen immer gelingt?

Gelingt es uns – in unserem christlichen Abendland mit seinen christlichen Werten? Gelingt es uns in unseren Kirchen und Gemeinden? Nein – es gelingt uns ganz oft nicht.
Wir sind nicht immer selbstlos, edel, hilfreich und gut. Manchmal packt uns die Angst, zu kurz zu kommen und wir meinen erst mal für uns selber sorgen zu müssen – oft ohne Maß und Ziel. Aber es ist schon viel, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, dass es anders sein soll und anders sein kann. Und immer wieder gelingt es ja auch.
Gestern ist es gelungen, als der Gospelchor ein Benefizkonzert für die Flüchtlingshilfe gegeben hat – einfach so, natürlich aus Spaß am Singen, wer sagt denn, dass Dienen keinen Spaß machen darf, aber auch aus dem Bedürfnis heraus, ein Zeichen zu setzen und etwas für die Menschen zu tun, die bei uns fremd sind. Heute gelingt es den Churchillers durch ihre frohe gesungene Verkündigung. Immer wieder gelingt es in dem großen Engagement des Flüchtlingshelferkreises. Das ist nicht immer vergnüglich, was all die vielen Ehrenamtlichen da machen. Es gelingt in unseren Kleiderstuben und den vielen großen und kleinen diakonischen Aktivitäten. Es gelingt immer wieder, wenn Menschen einen Dienst, ein Amt, eine Aufgabe mit ganzem Herzen übernehmen – im Presbyterium, im Büro, beim Besuchsdienst … . In den letzten Wochen ist es uns gelungen im Glaubenskurs. Wir haben einander gedient mit unseren Erzählungen, unserem Glaubenszeugnis, mit unserem gemeinsamen Fragen und Suchen nach Antworten.
Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Heute ist in drei Bundesländern Wahlsonntag. Natürlich will jeder, der antritt, am Ende Sieger sein – sonst wär das eine komische Wahl. Aber die meisten, die antreten, wissen auch: Es reicht nicht, eine Wahl zu gewinnen. Es reicht nicht, sich feiern zu lassen und von allen auf ein Podest heben zu lassen. Es reicht nicht, die eigene Größe zu feiern, indem man die anderen klein macht. Wer wirklich groß sein will, der macht sich zum Diener aller, der setzt sich ein für gute und gerechte Politik, der ringt um Lösungen, der verliert die Kleinen, Schwachen und Rechtlosen nicht aus den Augen, der stellt sich für die anderen in den Wind und steckt dafür auch Schelte ein. Jeder Wahlsieger muss sich daran messen lassen, ob er denen dient, die ihn gewählt haben und Verantwortung übernimmt für die, die ihm anvertraut sind. Ich bin dankbar für jeden, der nicht nur nach Macht giert, sondern sich dieser Verantwortung bewusst ist.

Ich möchte ein Bild gebrauche. Ich habe diese Woche die ersten Zugvögel gesehen. Einer ist bei ihnen der Erste, fliegt vorne weg, aber nicht um als erster anzukommen, sondern um den anderen zu dienen, sich für die anderen in den Gegenwind zu begeben. Der Erste ist der Diener aller. Und weil das auf Dauer über die Kräfte geht, wechseln sie ab. Ist immer ein anderer der Erste. Egoismus hat da keinen Platz, Alleingänge auch nicht.
Wer bei euch groß sein will, sei euer aller Diener.

Jesus hat es uns vorgemacht. Er hat sich klein gemacht und sich den Kleinen, den Schwachen zugewendet. Er hat sogar seinen Jüngern die Füße gewaschen. Am Ende stirbt er den Verbrechertod. Das alles hätte er nicht nötig gehabt. Er ist diesen Weg gegangen, weil er es so wollte, für uns, um uns zu erlösen vom krampfhaften Kampf um Geltung und Anerkennung. Er kauft uns frei von der Angst, nicht zu genügen, vergessen oder übersehen zu werden und am Ende keinen Platz zu haben. Er befreit uns von dem Zwang, uns selbst und anderen ständig beweisen zu müssen, wie toll, wichtig und wertvoll wir sind. Er hat uns ausgelöst aus dieser Versklavung an andere und deren Urteil. Er macht uns frei davon, andere ausbremsen und klein machen zu müssen, um selbst die besten Plätze zu ergattern.

Wir sollen, wir können anders miteinander umgehen. Wir können uns einander zuwenden, einander dienen, einander Raum geben. Keine Angst, wir verlieren nichts dabei. Wir müssen nicht um unseren Platz drängeln, wie haben längst einen Platz – einen Platz bei ihm, von ihm reserviert – keine freie Platzwahl, sondern Platzreservierung, Platzgarantie – 100 %.Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gudrun Schlösser

Gemeindebrief März bis April

Der neue Gemeindebrief steht hier 2016 GB März-April fürs Internet zum Runterladen bereit.

Aus dem Inhalt:

Wir gedenken ermordeter Ukrainer
Aktionen vor, an und nach Ostern
Neue Angebote
Gospelsingers
Einladung zum Vortrag
Angebot und Engagement
Kindersingwoche im Sommer 2016
Weihnachtsoratorium in der Pallottikirche
Konzert der „Kantorei für ältere Stimmen“
30 Jahre: Singen