Predigt zum Erntedank

Gudrun und Hajnalka
Vom 28. September bis zum 1. Oktober hatten wir Besuch aus Ungarn. Zum Abschluss hat Hajnalka im Gottesdienst die Predigt auf Ungarisch gehalten und Gudrun die deutsche Übersetzung gesprochen. Wir freuen uns, dass wir diese Predigt auf unserer Homepage veröffentlichen dürfen.

Predigt: Hajnalka
Übersetzung: Sofia
Redaktionelle Bearbeitung: Gudrun

Lied: Ich singe dir mit Herz und Mund, Vers 1 und 2

Predigttext 1. Mose 1

27 Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.
28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.
29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.
31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Liebe Schwestern und Brüder!

Tief berührt stehe ich auf der Kanzel.
Erstens, weil ich nie gedacht hätte, dass ich einmal im Ausland, in der Evangelische Kirche einer deutschen Stadt, vor einer Gemeinde dieser Größe predigen werde.
Zweitens, weil Ihr aus Rheinbach an uns gedacht und uns eingeladen habt.
Drittens, weil unsere Freundschaft trotz der großen Entfernung und der Veränderung in unserer Gemeinde immer enger wird.
Wir möchten uns bei euch für alles auch im Namen unserer Gemeinde bedanken:
für den herzliche Empfang,
für die viele Erfahrungen und Erlebnisse die uns in den letzten Tagen bereichert haben, und auch
für die Möglichkeit unter euch predigen zu dürfen,
als Krönung unserer Besuchs.

Ich lobe Gott dafür, dass wir uns um sein Wort sammeln
und Ihn für seine Güte loben dürfen
– besonders heute, am Erntedank.

„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.” Psalm 34,9

In unserer Gemeinde, zitiere ich diesen Bibelvers regelmäßig im Gottesdienst – als Segen oder als Begrüßung.
Er bedeutet mir besonders viel,
ist tief in mein Herz eingepflanzt,
und ich denke oft über ihn nach.
Als Zsófi mir schrieb, dass ihr an diesem Sonntag Erntedank feiert,
hat Gott mir dieses Wort aus Psalm 34 ans Herz gelegt:
„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.”

Dieser Vers hat mich auch bei meiner jetzigen Vorbereitung wieder beschenkt und bereichert.
Als ich den Heilige Geist bat, dass ich seinen Willen verkündigen kann, hat dieser Vers in mir gewirkt.
Ich kann gar nicht erzählen, was ich alles erlebt und verstanden habe.
Mein Herz hat sich mit diesem Vers gefüllt.
Ja, es gibt solche Verse, die uns einfach erfüllen und ernähren.
Dieser Vers ist so eine Kraftquelle, obwohl er uns nicht zuerst ermutigt,
sondern der Psalmist uns eher ermahnt und bittet, auf Gottes Güte zu achten.
Wenn wir dies tun, wird unsere Seele erfüllt und gestärkt.
Denn unsere Kraft, unser Glück wurzelt in Gottes Güte.

„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.”

Ich freue mich, dass wir diesen Vers in der Bibel finden.
Er betont, dass Gottes Güte überall und in allem wahrnehmbar ist.
Der Psalmist möchte uns überzeugen, dass wir die Güte des Herrn wirklich erfahren, erleben und spüren können,
nicht nur in unseren Herzen und Seelen,
sondern auch mit unseren Sinnen.
Ist es nicht umwerfend und wundervoll, wie breit das Spektrum ist, mit dem er uns seine Güte sehen lässt?!
Er möchte uns aus allen Blickrichtungen zeigen, dass er lebt, dass er wirkt, dass er uns liebt und sich um uns kümmert.
Dass er in allem präsent ist, was er geschaffen hat
und seine ganze Schöpfungen seine Liebe zeigt.
Er steckt in jedem kleinsten Teilchen
– tiefgehend, untrennbar und endgültig.
Wir sollten die Tatsache, dass er die ganze Schöpfung durchdringt, nie missachten.
Wir sollten offen sein für die Entdeckung seiner Güte in allen Sachen
– offen für‘s Schmecken und Sehen.

Die Antwort auf die Frage „Warum ist Gott so gütig?“ liegt in seiner Liebe zu uns.
Ich weiß: Damit sage ich nichts Neues.
Aber wir können es nicht oft genug wiederholen.
Ist es nicht wundervoll, dass unser Gott uns liebt?!
Täglich lässt er seine Liebe auf uns scheinen,
obwohl wir sie gar nicht verdienen.
Wie häufig geraten wir auf falsche Wege.
Mit unseren Sünden betrüben wir ihn.
Und manchmal sind wir gar nicht eng mit Ihm verbunden, weil andere Sachen uns einfach wichtiger sind.
Sind wir nicht so?…
Aber von Ihm strömt seine Liebe ungeschwächt zu uns.
Deshalb sollen wir unbedingt seiner Güte nachgehen, sie schmecken und sehen.
Wir sind diejenigen, für die er seine Güte austeilt.
Wegen uns schlummert er nicht.
Er bereitet alles für uns.
Wir sind die Ausgewählte, die er mit seiner Güte beschenken möchte, trotz unseren Schwächen.
Gott lässt uns so auf der Erde leben.
Wir sind die Nutznießer von allem, was uns umgibt.
Heute denken wir besonders an all die Sachen, die einfach für uns gewachsen sind und die wir ernten durften.

Lied: Ich singe dir mit Herz und Mund, Vers 4 und 5

Wir sollten nie vergessen, dass Gott diese wunderschöne Welt für uns erschaffen hat. Diese Welt ist nicht zufällig entstanden.
Er hat sie gezielt und bewusst für uns erschaffen.
Er hat an uns gedacht, als er alles geplant hat.
Er hat es gemacht, als noch kein Mensch auf der Erde war.
Nur in Gottes Plänen, Gedanken und in seinem Herz waren wir schon.
Gott hat aus dem Nichts etwas geschafft, er hat in seiner Fantasie in dem Nichts etwas gesehen.
Wenn wir uns umschauen, können wir sehen, was er alles aus dem Nichts, dem Chaos, der Unordnung hervorgebracht hat.
Er wollte damit uns – die wir noch nicht existierten – beschenken, erfreuen.
Wie junge Paare beim Bau eines Hauses schon ein Kinderzimmer vorsehen.
Sie planen vor dem Kommen des Kindes, wie alles aussehen soll, wie es sich wohlfühlen kann,
was er alles braucht zum Schlafen, Spielen, Lernen.
Sie planen voraus für ihr werdendes Kind
– gute, schöne, gepflegte, bequeme, vorteilhafte und passende Sachen.
Genauso hat Gott es auch gemacht:
Er hat alles für uns vorbereitet:
gute, schöne, gepflegte, bequeme, vorteilshafte und passende Sachen.
Wo wir wohnen können,
wo wir uns wohlfühlen,
wo gute Lebensbedingungen sind.
Wir waren schon ganz am Anfang der Welt/ bei der Schöpfung
Teilhaber an seiner Liebe.
Liebe Brüder und Schwester! Lass mich euch fragen:
Denkt ihr an Gott, den Schöpfer?
Der die Welt für uns geschafft hat,
und der bis heute schöpferische Macht hat?
Der nie mit der Schöpfung aufgehört hat,
der sich pausenlos um uns kümmert?
Der sich bis heute in den Spuren seiner Schöpfung zeigt?

Beim Konfiunterricht sprechen wir schon ganz am Anfang mit den Jugendlichen darüber, wie Gott zu uns spricht, wie er sich sehen lässt.
Natürlich ist die Bibel eine wichtige und besondere Form der Offenbarung,
aber der HERR kann uns auch auf andere Weise ansprechen:
durch das Gewissen,
die Geschichte
und die Natur.
Ja, er kann uns durch die Natur ansprechen und sich uns in der Natur zeigen:
der strahlende Sonnenschein,
der Regen, der rechtzeitig kommt,
der Regenbogen, der uns an die Geschichte Noahs erinnert.
Die Berge, die Flüsse, der Wechsel der Jahreszeiten
– sie lassen Gottes Werk und Güte sehen.
Genauso ist es mit den Pflanzen, die wir ernten.
In dieser Jahreszeit erfahren wir besonders, wie die Erde ihren Segen ausgießt.
Dass wir hier vorne volle Körbchen haben, verdanken wir auch ihm!
Damit sagt er:
ich bin da, ich denke an dich, ich kümmere mich um dich.
Es wäre so gut, wenn wir hinter diesen Sachen auch immer Gott sehen würden!
Es wäre gut, wenn wir mit David sagen könnten:
„Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir’s gegeben“.
Es ist doch gar nicht selbstverständlich, dass unseren Speicher voll sind!
Ohne seinen Segen würden unseren Anstrengungen fruchtlos bleiben!
Aber wir haben einen Gott, der uns seine Gaben schenkt, der uns ständig seine Güte spüren lässt.

„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.” – ruft uns der Psalmist auf.
Das ist gerade der Schlüssel zu dem gegenseitigen Respekt und Liebe.
Gott bemüht sich um uns in seiner Güte, und wir freuen uns an seinen Werken.
Wir dürfen nicht so müde, apathisch, traurig oder verzagt sein,
dass wir seine Werke nicht erkennen können.
„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.”
Wenn ihr Gottes Güte erkennen möchtet, müsst ihr euch nur umschauen.
In dem Film „Sissi“ habe ich einen Satz gehört, den ich notiert habe:
„Falls du jemals in deinem Leben trübsinnig wirst, geh in einen naheliegenden Wald,
und du wirst Gottes Güte und Allmacht in jedem Baum, Busch, Tier und in jeder Pflanze spüren.“
Heute sagt uns der Psalmist:
„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.”
Merken und betrachten,
anblicken und wahrnehmen,
kosten und schmecken.
Probiert mal eine Weintraube,
beißt in einen Apfel,
backt einen Kuchen mit Walnüssen,
und genießt den Geschmack und die Aromen!
Riecht an einer Blume,
schaut die Formen und Farben der Blätter an!
Bestaunt die Tiere und die Landschaft!
Dazu ermutigt euch der Psalmist.
Wir sollen die Gaben seiner Hand mit Verehrung empfangen.
Es genügt nicht von Gottes Werken und Geschenken zu wissen,
wir müssen sie spüren, sehen, erfahren und erleben,
weil in ihnen seine Güte steckt.

Lied: Ich singe dir mit Herz und Mund, Vers 7 und 13

… Alles mit Staunen empfangen!
Das hat mich vor kurzem einer kleiner Junge gelehrt.
Eines morgens begleitete ich unsere Töchter auf dem Weg zur Schule.
Wir trafen einen Jungen, vielleicht 4-5 Jahre alt.
Er ging mit seiner Mutter Richtung Kindergarten.
Sie kamen nur langsam vorwärts, weil der Junge von den Blumen eines Beetes fasziniert war.
Er schaute jede Blume einzeln an.
Als ich auf dem Rückweg war, waren sie immer noch da.
Der Junge wollte seine Freude mit mir teilen.
Er rief mich, die Blumen mit ihm gründlich zu betrachten.
Zu meiner Verblüffung zählte er genau, welche Blume wie viele Blütenblätter hatte.
Er bewunderte die Blumen auf eine Weise, die ich nur bewundern konnte.
Können wir mit so einer Begeisterung eine Blume anschauen?
Ihre Farbe, den Farbton, die Form, die Oberfläche, ihre Vielfalt?
Ich konnte mich nur schämen, weil wir Erwachsenen an so vielen Dingen achtlos und eilig vorbei laufen.

Ich hatte einmal die Möglichkeit in einer Baptisten-Gemeinde Erntedank zu feiern.
Der prächtig geschmückte, wundervolle Altar faszinierte mich.
Er war übervoll mit Gütern der Erde.
Die Person, die den Altar geschmückt hatte, erzählte mir, wie gerne sie diesen Dienst machte.
Sie liebte es, so über die Güte Gottes nachzudenken.
Für jedes einzelnes Stück, das sie auf den Altar gelegt hat, hat sie Gott gedankt
und dabei fielen ihr immer mehr Dinge ein, die sie auf den Altar hätte legen können.
Am liebsten hätte sie die ganze Welt darauf gelegt.

„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.”
Ich habe lange über Gottes Güte, die in der Natur zu entdecken ist, gesprochen.
Es gibt aber auch viele andere Bereiche, die uns zur Dankbarkeit treiben sollen.
Das Beste, was wir Gott schenken können, ist unser Dank.
Und trotzdem erhält er ihn von uns nur selten!
Danksagung ist der Grundlage des gläubigen Lebens.

Danksagung beginnt immer mit einer Inventur.
Wenn wir Gottes Segen aufzählen, erkennen wir, wie reich er uns beschenkt.
Heute danken wir Ihm für seine ununterbrochene Fürsorge:
wir haben Familie, Kinder, Geschwister, Freunde, ein bequemes Zuhause, Fahrzeuge, Gesundheit, Bekleidung.
Die Kinder haben Spielzeuge,
und nicht zuletzt haben wir unsere Kirche,
unsere Gemeinden,
unsere Partnerschaft,
unsere Reformation, die vor 500 Jahren begann.
Wie gesegnet sind wir!
Wir können und dürfen Gottes Wort hören, die Bibel lesen, und beten!
Gottes Wort ernährt unsere Seele.
Wenn wir von Traurigkeit oder Leiden betroffen sind,
dann gibt es jemand, der uns beisteht, uns umarmt und erhebt!
Der, der sich schon einmal vor 2000 Jahren für uns gedemütigt hat, um uns zu erhöhen, ist am Kreuz für uns gestorben, damit wir Vergebung und ewiges Leben haben.
Am Anfang der Predigt habe ich schon gesagt, wie herzbewegend es für mich ist,
hier zu sein,
mit euch Erntedank zu feiern,
zu euch zu predigen und mit euch zusammen nachzudenken,
wie gütig unser Herr ist.
Das alles verbindet uns stark trotz der Entfernung
und der sprachlichen Hemmnisse. Amen.

Diese Verbundenheit lasst uns ausdrücken, indem wir miteinander unseren christlichen Glauben bekennen.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel,
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heilige,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Lied: Freuet euch der schönen Erde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.